Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

12.09.2016, aktualisiert: 19.12.2016 | Kommentare

Neue Studie: Wie die Zuckerindustrie seit 1965 die Forschung manipulierte

Die JAMA-Studie über Forschungsmanipulation durch die Zuckerindustrie

Gerne spekulieren Verbraucherschützer, Ernährungs-Geeks und auch Paleo-Fans darüber, wie die „böse Industrie“ mit Lobbyismus und Finanzspritzen illegal Einfluss auf Politik und Gesellschaft nimmt, um ihre Gewinne auf Kosten der Verbraucher und ihrer Gesundheit zu maximieren.

Nur leider sind solche Machenschaften schwer zu beweisen oder nachzuvollziehen: Naturgemäß spielen sich derlei Manipulationen eher im Versteckten ab.

Ein dicker Schwall Wasser auf die Mühlen solcher Verschwörungstheoretiker wurde heute in Form einer Studie veröffentlicht: Dabei haben die Autoren zahlreiche Dokumente aus den 60er und 70er Jahren zusammengetragen, die detailliert zeigen, wie die Zuckerindustrie in den USA systematisch die Risiken von Zucker für Herz-Kreislauf-Krankheiten herunter- und die Rolle von Cholesterin und gesättigtem Fett in der Forschung heraufgespielt hat, um ihre Interessen und Gewinnabsichten zu fördern.

Der heute im „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) veröffentlichte Artikel Sugar Industry and Coronary Heart Disease Research – A Historical Analysis of Internal Industry Documents hat es in sich: Wie Detektive wühlten die Autoren in den Archiven der Zuckerindustrie und trugen dabei hunderte von Dokumenten und Korrespondenzen zusammen, um in mühevoller Kleinarbeit detailliert nachzuvollziehen, wie die Zuckerindustrie in den 60er und 70er Jahren systematisch die Forschung beeinflusst hat, um ihre Interessen zu fördern.

Alles fing damit an, dass die Rate an Herz-Kreislauf-Krankheiten in den 50er Jahren rapide zunahm und daher auch das Forschungs-Interesse sich mit dem Thema beschäftigte.

In den 60er Jahren gab es unter den Wissenschaftlern zwei Lager: Die einen, angeführt vom Ernährungswissenschaftler John Yudkin gaben dem Zucker die Schuld, dessen Konsum in dieser Zeit rapide nach oben geschnellt war. Er versuchte damals mit seinem Buch Pure, White and Deadly: How Sugar Is Killing Us and What We Can Do to Stop It* (deutsche Ausgabe: Pur, weiß, tödlich. - Warum der Zucker uns umbringt - und wie wir das verhindern können.*) auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

Das andere Lager rund um Ancel Keyes hatte eher das gesättigte Fett und das Cholesterin im Verdacht. Er war der Autor der berühmten Sieben-Länder-Studie, die später eine zentrale Rolle in der heutigen „Fett ist böse“ Konvention spielen sollte.

Laut der heute veröffentlichten Studie sah die „Sugar Research Foundation“, eine Interessensgemeinschaft der amerikanischen Zucker-Industrie ihren Absatz durch die Zucker-Gegner gefährdet und fing daher an, systematisch eigene Studien zu finanzieren, die die Argumente der Zucker-Gegner verharmlosen und dafür die Ansichten der Fett- und Cholesterin-Fraktion stärken sollten. Dazu bezahlte sie gezielt Autoren und finanzierte Meta-Studien und Forschungsprogramme, ohne bei der Veröffentlichung als Geldgeber in Erscheinung zu treten.

Diese historische Analyse liest sich wie ein Krimi und dabei kommt die Zucker-Industrie nicht wirklich gut weg: „Project 226“ ist der interne Name der von der Zucker-Lobby geförderten Studie, die 1967 im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde und die im ersten Teil systematisch die wichtigsten damaligen Anti-Zucker-Forschungsergebnisse angriff und zu entkräften suchte, bevor sie im zweiten Teil die Reduktion von Fett und Cholesterin in der Nahrung als die eigentlich sinnvolle Maßnahme zur Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellte.

Es ist interessant zu sehen, wie genau diese Manipulationen funktionieren. Hoffen wir, dass Enthüllungs-Studien wie diese einen Beitrag dazu leistet, dass in Zukunft mehr Transparenz im Studien-Geschäft herrscht.

Lesenswert und kostenlos online verfügbar: Sugar Industry and Coronary Heart Disease Research – A Historical Analysis of Internal Industry Documents

Credit: Gefunden in Fefes Blog.

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Von Constantin Gonzalez am 12.09.2016, aktualisiert: 19.12.2016 in Kurzmeldungen.


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