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Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

17.03.2012, aktualisiert: 17.09.2016 | Kommentare

Paleo für die Füße: Barfußlaufen FTW!

Ein paar Vibram FiveFingers Barfuß-Schuhe auf einem Teppich

Letzten Samstag war in München das Wetter schön und da bin ich ein wenig gelaufen. 8km. Barfuß. Hier ist die Strecke auf Runkeeper.

Daß man mit der Paleo-Ernährung hervorragend Energie für’s Laufen hat, hab’ ich ja schon geschrieben, aber barfuß? Ist das wieder so ’ne bekloppte Idee von ein paar Steinzeit-Junkies? Hatten die nicht auch Fellschuhe oder zumindest irgendwas an den Füßen? Oder gibt’s doch wieder was wissenschaftliches, das dafür spricht? Aber was ist dann mit Dämpfung? Und Fuß-Verletzungen? Und geht das nicht auf die Knie?

Um diese Fragen geht es in diesem Artikel: Hintergründe zum Barfußlaufen, Vorteile für die Gesundheit und eine Liste mit Tipps für den Anfang. Auf geht’s!

Inhalt

Dieser Artikel ist wieder etwas länger geworden, das ist so ’ne Krankheit von mir. Mögt Ihr lange Artikel? Oder soll ich in Zukunft weniger auf einmal, dafür häufiger schreiben? Bitte sagt’s mir per Feedback-Email oder in den Kommentaren!

Zum Zurechtfinden hat dieser Artikel ein Inhaltsverzeichnis:

Jetzt aber zum eigentlichen Thema:

Deine Füße sind mehr als bloß Treter!

Laut Wikipedia befinden sich rund ein Viertel der 205-215 Knochen des menschlichen Körpers in den Füßen. Dazu kommen fast ebensoviele Muskeln, nämlich 48, 18 Gelenke und eine besonders hohe Dichte von Tastrezeptoren an der Fußsohle, wie jeder, der schon mal gekitzelt wurde, weiß.

Warum so viel Komplexität?

Hersteller von Sportschuhen wollen uns einreden, daß der menschliche Fuß etwas zerbrechliches, ja unperfektes ist, das evolutionär nur gezwungenermaßen damit zurecht kommen mußte zum Gehen genötigt zu werden, und daher Hilfe braucht. Daher wird in der Werbung immer die Dämpfung der Schuhe hervorgehoben: Der Aufprall beim Laufen muß ja abgefedert werden, damit er nicht die empfindlichen Knochen und Gelenke von Fuß, Knie und Becken trifft.

Einmal mehr haben Evolutionsforscher inzwischen herausgefunden, daß das Gegenteil der Fall ist: Die hohe Komplexität des menschlichen Fußes ist natürlich ein Ergebnis von Millionen von Jahren von Evolution, doch in diesem Fall handelt es sich um ein hochspezialisiertes Organ, daß sich optimal an seine Aufgabe, das Gehen, Laufen und Sprinten, angepaßt hat. Um das zu erleben, muß man dem Fuß erst einmal seine Arbeit machen lassen!

Was beim Laufen schief geht

Schauen wir uns an, was mit unserem Fuß bei jedem Schritt in einem normalen (Lauf-)Schuh passiert, wenn wir eine Runde gehen oder laufen:

  • Der Fuß trifft auf den Boden: Völlig überraschend kommt der Aufprall, die hochentwickelte Sensorik im Fuß ist blind: Sie wird durch Socke und Schuh effizient daran gehindert, Bodenkontakt zu bekommen. Durch die Steifheit des Schuhs hat alleine der Knöchel noch eine Chance, die Balance zu halten und ist dabei langfristig überfordert: Laut einem Artikel in der Runner’s World ist das Umknicken die häufigste Laufverletzung überhaupt. Ein Stein am falschen Ort, ein unachtsamer Tritt und schon kann der Knöchel die Balance nicht mehr halten und knickt um. Mit schmerzhaften Folgen.
  • Der Aufprall pflanzt sich fort: Knickt der Fuß nicht um, so muß jetzt die Aufprall-Energie abgefangen werden. Je nach dem ob man mit der Ferse, dem Vorderfuß oder irgendwo dazwischen aufprallt, wird die Energie mehr oder weniger gleich verteilt, und vom Schuh mehr oder weniger gedämpft. Es bleibt in vielen Fällen jedoch genug Energie übrig, um langfristig weitere Probleme zu bereiten: Knieschmerzen und Rückenschmerzen sind unter Läufern nicht selten und auch hier sind die Lauf-Zeitschriften voll von Artikeln dazu.
  • Der nächste Schritt: Ist der Aufprall verkraftet, setzen Muskeln im Bein die Bewegung fort und machen den nächsten Schritt. Zwar hat der Läufer Schwung, doch einen Großteil der Energie für diesen Schritt müssen die Muskeln von Neuem erzeugen: Die Energie des letzten Schrittes wurde ja zum Großteil in Aufprall-Energie verwandelt, die in Fußgelenk, Kniegelenk, Becken und Rücken gewandert ist. Und so beginnt das Spiel von Neuem.

Dagegen könnte das Ganze so viel besser ablaufen, wenn man nur dem Fuß die Gelegenheit gäbe, seinen Job zu erledigen. Hier ist die Version, wie sie von der Natur vorgesehen war:

Dein Fuß: Ein Wunderwerk der Technik

Schauen wir uns also jetzt an, was bei jedem Schritt passiert, wenn man barfuß läuft, so wie es die Natur entwickelt hat:

  • Der Fuß trifft auf den Boden: Blitzschnell analysieren Sensoren die Härte, Struktur, Temperatur und sonstige Beschaffenheit des Bodens. Nicht umsonst ist die Fußsohle und auch die innere Struktur des Fußes mit Sensorik nur so vollgestopft. Das Gefühl, wie Muskeln, Gelenke und Knochen zueinander stehen heiß übrigens Propriozeption, und gerade die ist beim menschlichen Fuß sehr hoch entwickelt.
  • Er paßt sich optimal dem Untergrund an: Ebenso schnell reagieren Reflexe und passen den Fuß dem Untergrund, seinen Unebenheiten und eventuellen Hindernissen an: Jetzt zahlen sich die 18 Gelenke, 48 Muskeln und über 50 Knochen aus, denn jetzt sitzt der Fuß optimal auf jedem Untergrund und kann daher seine Trägerin oder seinen Träger sicher halten und balancieren. Vor allem hat der Fuß durch seine flexible Konstruktion jetzt die Gelegenheit, beliebige Unebenheiten im Boden auszugleichen, bevor überhaupt das Fußgelenk einspringen muß: Keine Chance mehr für Umknicker. Probier’s doch einmal aus: Stell’ Dich auf einen Fuß (mit Schuh) und balanciere auf dem Vorderfuß. Ziehe jetzt Schuhe und Socke aus und versuch’s nochmal: Spürst Du, wieviel mehr Bewegungsfreiheit Du nun im Vorderfuß hast, und wieviel besser dadurch das Balancieren klappt?
  • Er federt den Stoß optimal ab: Federn? Ist das nicht das, was laut Schuhindustrie dem Fuß fehlt? Wenn man falsch auftritt, ja: Kommt der Fuß mit der Ferse auf, und rollt dann ab, so wie wir es (falsch) gelernt haben, dann wird die gesamte Aufprallenergie ungedämpft über den Unterschenkel an das Knie weitergegeben. Knieschmerzen sind die Folge und auch der hintere Teil des Fußes hat keinen Spaß dabei. Die Aufprallenergie ist so groß, daß sie auch zu Rückenschmerzen führen kann. Beim Barfußlaufen jedoch kommt es darauf an, mit dem Vorderfuß aufzutreten. Jetzt kann nämlich der Wadenmuskel mit der Achillessehne seine eigentliche Arbeit ausführen: Das ist nämlich ein natürlicher Federmechanismus, der viel besser ist, als jede Dämpfung im Schuh. Kleiner Test: hüpf doch 10 mal auf dem Vorderfuß hoch und runter, und probier’s danach nochmal auf der Ferse. Das hälst Du nicht lange durch. Beim Barfußlaufen hüpft man also eher von Vorderfuß zu Vorderfuß, die Ferse berührt dabei nur wenig den Boden!
  • Auch das Bein federt mit: Wenn der Aufprall zu groß gewesen ist, dann gibt’s noch eine Reserve: Das Knie sollte beim Barfußlaufen leicht angewinkelt bleiben, so daß das Bein bei Bedarf mitfedern kann, wenn die Ferse nach dem Vorderfuß aufsetzt. Das geht nur, wenn man kleinere Schritte macht, der konventionelle Laufstil hält die Beine zu sehr gestreckt, so daß dieser zweite Federmechanismus nicht richtig greifen kann.
  • Die Aufprall-Energie wird gespeichert: Energierückgewinnung! Da die Aufprall-Energie jetzt nicht in Knöchel, Knie, Becken, Rücken verpufft, sondern von Achillessehne und Ferse und ggfs. den Beinmuskeln abgefangen wurde, kann sie nun für den nächsten Schritt wieder zurückgefedert werden. Wie ein Gummiball, der wieder hochhüpft. Dazu hält der Barfußläufer seine Muskeln gespannt, so daß sie eher wie Federn und weniger wie Muskeln wirken. Das funktioniert am besten, wenn die Schrittgeschwindigkeit mit der Federgeschwindigkeit des Sehnen/Muskel-Apparats zusammentrifft und das ist ungefähr bei 160-180 Schritten pro Minute der Fall. Barfußläufer „trippeln“ also schneller und machen dabei kürzere Schritte, können dafür aber einen Großteil ihrer Aufprall-Energie wiederverwenden und laufen daher effizienter.
  • Die Arme laufen mit: Denn sie bilden wichtige Gegengewichte, die die Laufbewegung unterstützen. Also immer die Arme mitbewegen. Das habe ich besonders dann gemerkt, als der Untergrund, z.B. durch Split aus der Winter-Bestreuung deutlich unangenehmer wurde. Meine Arme sind dann völlig instinktiv deutlich stärker geschwungen, um den Aufprall meiner Füße auf den pieksigen Untergrund zusätzlich zu entschärfen!
  • Der nächste Schritt: Dank minimaler Gelenkbelastung kann jetzt der nächste Schritt kommen, und viele, viele mehr. Mit deutlich weniger Verletzungsgefahr, mehr Effizienz und weniger Ermüdung!

Übrigens: Genauso laufen auch Tiere! Die Pfoten von Hund, Katze, Reh usw. entsprechen unserem Vorderfuß und die Fersen der Tiere sind anatomisch so weit vom Boden entfernt, dass sie diesen nie berühren. Tiere laufen ständig auf dem Vorderfuß und nutzen daher die gleichen Federmechanismen. Von den Tieren können wir noch einiges lernen.

Die Natur hat sich also was gedacht

Hier zeigt sich wieder die goldene Regel der Evolution, daß in der Natur nichts umsonst ist: All die vielen Knochen, Gelenke, Sensoren, Muskeln und Sehnen des Fuß- und Beinapparats wurden von der Natur genau zu dem Zweck optimiert, eine schnelle, effiziente und ausdauernde Fortbewegung zu ermöglichen. Dabei kennt die menschliche Anatomie drei Arten der Fortbewegung:

  • Gehen: Hier setzt beim Barfuß-Gehen der ganze Fuß fast gleichzeitig auf, so daß der Aufprall wie beim Laufen auch vom Vorderfuß und der Wade gedämpft werden kann und die Ferse nicht die ganze Arbeit erledigen muß. Man kann wahlweise auch Vorderfuß-betont gehen, so wie ich. Dabei setze ich meist die Außenseite des Vorderfußes fast zusammen mit der Ferse zuerst auf und rolle dann nach innen ab. Klingt komisch, funktioniert aber für mich prima.
  • Laufen: Wie oben beschrieben ist das Laufen die optimale Fortbewegungs-Möglichkeit für den Menschen. Stundenlang kann der Mensch damit ausdauernd laufen, ohne dabei müde zu werden, denn das war laut Born to Run: Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt* (Englische Ausgabe: Born to Run*), einem der besten Lauf-Bücher das ich kenne, die eigentliche Bestimmung des Menschen: Lange und ausdauernd seiner Beute hinterherlaufen, bis sie erschöpft genug war, um vom Jäger erlegt zu werden. Diese Ausdauer beim Laufen beherrschen in der ganzen Tierwelt nur die Menschen: Kein anderes Tier kann so effizient und stundenlang ohne Ermüdungs-Erscheinungen laufen! Dabei hilft uns ein entscheidender Unterschied gegenüber anderen Tieren: Bei Tieren ist die Atmung beim Laufen mit dem Schritt gekoppelt. Das sieht man besonders schön bei Hunden und Katzen: Diese klappen den ganzen Körper beim Sprinten zusammen und wieder auseinander, und genauso füllen sich deren Lungen mit Luft und geben sie wieder ab. Allein der Mensch (und laut Born to Run das Schwein) kann den Rhythmus des Atmens beim Laufen frei wählen. Auch bei der Kühlung haben Menschen gegenüber anderen Tieren einen entscheidenden Vorteil: Da wir Schwitzen können, können wir viel besser Wärmeenergie, die beim Laufen frei wird, an die Umgebung abgeben. Tiere müssen nach einiger Zeit des Sprintens aufhören, um Überhitzung zu vermeiden: Das Hecheln über die Zunge kann nur eine begrenzte Menge Wärmeenergie abgeben.
  • Sprinten: Der Unterschied zwischen Sprinten und Laufen ist, dass jetzt die Ferse gar nicht mehr den Boden berührt und dadurch höhere Geschwindigkeiten erreicht werden können. Freilich geht uns irgendwann beim Sprinten die Puste aus, denn für dauerhaft hohe Geschwindigkeiten sind wir nicht geschaffen. Das überlassen wir lieber den Raubkatzen.

Was fehlt? Ach ja: Joggen. Das ist eher eine Erfindung der Schuh-Industrie, aber natürlich ist das nicht! Denn erst das Laufen auf der Ferse zu propagieren und dann die Schuhe dafür zu verkaufen, die die Ferse wieder abdämpfen klingt für mich eher nach einer Werbemaßnahme als nach Fitness. Joggen ist der Vorläufer des Nordic Walking! Wie wir oben gesehen haben und wie man an zahlreichen Lauf-Verletzungen sieht, ist Laufen auf der Ferse schlicht Mord für Gelenke, Sehnen und Knochen. Running Fast and Injury Free, ein faszinierendes Handbuch für Läufer, geschrieben von einem der besten Lauftrainer der letzten Jahrzehnte beschreibt auch, wie die Zahl der Lauf-Verletzungen mit Zunahme der Dämpfung in Laufschuhen zugenommen hat. Konsequenterweise empfiehlt der Autor, auf so wenig Sohle wie möglich zu laufen und idealerweise Barfuß zu trainieren, um sich die richtige Lauftechnik anzugewöhnen.

Fazit: Tiere sind uns beim Sprinten überlegen, aber kein anderes Tier kann stundenlang so effizient durch die Gegend laufen, wie der Mensch. Chris McDougall, Autor von Born to Run meint, daß die Hetzjagd den entscheidenden Unterschied für den Homo Sapiens gegen seinen Konkurrenten den Neandertaler gegeben hat, denn letzterer war zwar stärker und hatte mehr Hirn, aber er war halt nicht so gut zu Fuß. Heute gibt es sogar Wettbewerbe, bei denen Menschen gegen Pferde laufen, und bei denen die Pferde nicht immer gewinnen! Der Mensch ist also auf das Laufen optimiert, aber dafür muß man ihn auch so laufen lassen, wie er konstruiert wurde.

Im Barfußlaufen steckt noch mehr drin

Doch auch wenn Du heute Deine Nahrung ohne Laufen verdienst, gibt es wie schon angedeutet gute Gründe, einmal das Barfußgehen oder das Barfußlaufen auszuprobieren:

  • Eine kostenlose Fußreflexzonenmassage: Ich weiß zwar nicht, wie viel an der Reflexzonenmassage dran ist und wie sie funktioniert, aber nach einem Barfuß-Gang fühlen sich die Füße einfach toll an. Auch wenn man nur Zuhause barfuß läuft, statt in Pantoffeln.
  • Barfußlaufen ist gut für den Rücken: Wer auf Absätzen steht oder mit ihnen geht, der hat eine andere Fuß-Stellung. Diese pflanzt sich fort in eine unnatürliche Becken-Stellung und diese wiederum beeinflußt die Stellung der unteren Wirbelsäule. Es ist daher nicht verwunderlich, daß viele Leute ihre Rückenschmerzen mit Barfußlaufen in den Griff bekommen haben. Esther Gokhale, die in ihrer Praxis und mit ihrem Buch 8 Steps to a Pain-Free Back: Natural Posture Solutions for Pain in the Back, Neck, Shoulder, Hip, Knee, and Foot (Remember When It Didn't Hurt)* zahlreiche Menschen von ihren Rückenschmerzen befreit hat, empfiehlt ihren Patientinnen und Patienten den Barfuß-Gang als wichtigen Baustein ihrer Methodik.
  • Barfußlaufen trainiert Waden und Po: Wie oben erwähnt, spielt die Wade eine entscheidende Rolle beim Barfuß-Laufen. Auch die Po-Muskeln bekommen beim Barfußlaufen mehr Arbeit. Und so kann man durch einfaches Barfuß-Laufen ganz nebenbei diese Muskeln trainieren. Dafür braucht man keine überteuerten Po-Training-Schuhe, die sowieso nur das nachmachen, was nackte Füße besser können: Beim Gehen und beim Laufen automatisch mitarbeiten.
  • Barfußlaufen ist gut für die Füße: Gönne Deinen Füßen ihren Auslauf! So viele Knochen, Knorpel, Muskeln und Sehnen wollen sich ab und zu mal frei bewegen dürfen. Und Barfußlaufen macht einfach Spaß!

Es muß nicht gleich 100% barfuß sein

Keine Angst: Man muß nicht gleich in die Vollen gehen und die zarten Fußsohlen am harten Asphalt abschaben. Barfuß-Feeling und vor allem die richtige Lauftechnik (Mit dem Vorderfuß aufkommen, mit der Wade abfedern, kürzere Schritte, in die Knie gehen) kann man auch mit den richtigen Schuhen haben. Auch die Schuh-Industrie lernt dazu und hat heutzutage eine Menge sog. „Barfußschuhe“ parat: Das sind Schuhe mit mehr oder weniger minimal gehaltener Sohle, ohne Absatz und mit breiter Vorderseite, so daß der Fuß trotz Schuh in der Lage ist, seine Funktion normal zu erfüllen. Manche Barfuß-Schuhe haben sogar Zehen und sehen aus wie Handschuhe für die Füße!

Hier ist eine Auswahl aktueller Barfuß-Schuhe, die ich entweder selber trage oder aus sonstigen Gründen gut finde:

  • Vibram Five Fingers*: Das sind die Klassiker unter den Barfuß-Schuhen und dank der Zehentaschen unverwechselbar. Man sieht darin zwar aus wie ein Gorilla, aber dafür hat man auch das beste Feeling. Die Sohle ist dünn und schützt trotzdem vor spitzen Steinen, Glasscherben und anderen Gefahren. Man spürt dennoch alles: Schotter-Strecken bedürfen einiger Gewöhung. Sehr zu empfehlen!
  • Vivobarefoot*: Wer nicht auffallen möchte, dem empfehle ich die Vivobarefoot. Die sehen aus wie schicke Sneakers, haben aber eine sehr dünne Sohle, keinen Absatz und einen breiten Vorderfuß. Die Einlegesohle läßt sich für mehr Feeling rausnehmen. Die Variante „Aqua“ sind meine Standard-Freizeit-Schuhe, die ich auch auf Reisen und im Büro trage, wenn keine Kundentermine anberaumt sind.
  • The Primal Professional: Sieht aus wie ein ganz normaler Business-Schuh mit Absatz, aber durch ein cleveres, optisch trickreiches Design kann man trotzdem mit Minimalsohle und Barfuß-Gefühl darin laufen. Für die Anzugträger unter den Urzeitmenschen. Unbedingt das Video auf Indiegogo anschauen, leider ist die Zeit schon abgelaufen, sonst hätte ich mich gerne an der Finanzierung beteiligt. Wer bringt mir so ein Paar aus den USA mit?
  • Joe Nimble Nimbletoes: Wenn ich mir das nächste Mal Freizeit-Schuhe kaufe, werden es wohl diese hier. Die habe ich zwar noch nicht getestet, gefallen mir aber optisch besser als die Vivobarefoot. Vor allem die Leder-Version, auch wenn sie entgegen der Werbung nicht für Anzüge taugt.
  • Senmotic Pure Shoes: Barfuß-Schuhe aus Deutschland, die man auch im Büro anziehen kann!. Siehe dazu auch die Videos auf YouTube. Gerade (16.10.2012) habe ich mir ein paar davon bestellt, Test folgt demnächst.

Barfuß-Schuhe 2.0: Die Sonnenbrille für den Fuß!

Etwas ganz neues und taufrisches möchte ich Euch nicht vorenthalten: Jörg Peitzker von GoStoneage.com hat sich was ganz besonderes einfallen lassen: Ein Kettenhemd (oder besser eine Kettensocke) für die Füße! Damit kann der Fuß sich 100%-ig frei bewegen und seine Sensorik auch Temperatur, Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit besser erfahren, ohne vor Gefahren, wie spitze Steine, Glasscherben oder spitze Zweige im Unterholz Angst haben zu müssen.

Jörg hat lange die Anatomie der Füße und die Methoden der Schuh-Industrie studiert und sich mit einem Hersteller aus Deutschland zusammengetan, der sonst nur Schutzbekleidung für die Fleischereiindustrie herstellt. Gemeinsam haben sie Barfuß-Schuhe gebastelt, die aussehen wie Socken aus Kettenmaterial. Hier ist ein Video, in dem ich diese Schuhe mal teste:

Inzwischen hat Jörg sich beim Verschluß was Tolles einfallen lassen und seinen Prototypen weiter optimiert, Ihr dürft gespannt sein!

Die Dinger fühlen sich toll an: Man spürt den ganzen Untergrund, allerdings ist es so, als ob die ganz spitzen (und unangenehmen) Empfindungen weggefiltert wurden. Wie eine Sonnenbrille für die Schuhe. Besonders das Laufen auf Unterholz, Bucheckern und anderen Barfuß-feindlichen Strecken macht jetzt Spaß, wie Ihr in dem Video sehen könnt. Auch Pfützen sind toll: Natürlich bekommt man die ganze Nässe ab, aber der Schuh und die Füße haben (bei gutem Wetter) danach die Chance, schnell wieder trocken zu werden. Wie Barfuß. Andere Schuhe bleiben dann erstmal patschnass, was eher unangenehm ist.

Auch eine Version für Damen gibt es, die ich ebenfalls gerne getestet habe:

Besonderes Highlight in diesem Video: Mit den Dingern kann man Glasscherben zertreten! Mehr Tests von mir findet Ihr im GoSt-Barefoot-Test-Channel auf Vimeo.

Jörg hat inzwischen seine PaleoBarefoots patentiert und bereitet sich nun auf die Serienproduktion vor. Auf der GoSt-Barefoots-Seite findet Ihr weitere Informationen zu diesen Schuhen, Videos von Jörg mit Hintergründen zu seinen Schuhen und Ihr könnt sogar eine Materialprobe gewinnen.

Jetzt bist Du dran: Tipps für’s Barfußlaufen

Doch bevor Du jetzt alle Deine Schuhe rausschmeißt, rausrennst, Dir Blessuren, Wadenkrämpfe und Achilleszerrungen holst und Dich dann in den Kommentaren bitter beschwerst, möchte ich noch ein paar Tipps und Sicherheits-Hinweise loswerden, damit der Übergang vom Zivilisations-Fersen-Läufer zum anatomisch optimalen Steinzeit-Läufer klappt. Schließlich hat’s bei mir ein ganzes Jahr gedauert, bis ich mich getraut hatte, zum ersten mal eine längere Strecke ganz barfuß zu laufen!

Wer sein ganzes Leben lang Schuhe mit Absatz getragen hat und fersenbetont gegangen oder gelaufen ist, der hat in der Regel dadurch eine verkürzte Achilles-Sehne, schwache Fuß- und Wadenmuskeln und auch die Sensorik in den Füßen ist noch unbeholfen. Stell’ Dir einfach vor, Du hättest das ganze Leben lang eine Augenbinde getragen und nun mußt Du auf einmal sehen lernen. Kein Scherz, genauso ist es mit den Füßen auch.

  • Denk’ erst an die Sicherheit: Zuhause nie in Socken laufen, lieber ganz barfuß, auch wenn’s kälter ist. Socken sind auf Parkett und Fliesen einfach zu rutschig! Oder besorg’ Dir spezielle Stopper-Socken. Bevor Du draußen Barfuß läufst, solltest Du Deine Tetanus-Impfung auffrischen lassen. Gerade am Anfang kann man sich schnell mal eine wenn auch kleine Verletzung holen, weil die Fußhaut noch untrainiert ist!
  • Fang’ langsam und vorsichtig an: Barfußlaufen kann schnell überfordern. Lieber erst mal nur Zuhause ein paar Tage rumlaufen, bevor man sich nach draußen wagt. Beobachte Deine Füße, wie sie sich anfühlen, wie sie aussehen und welche Fortschritte Du machst. Lieber die Dinge etwas langsamer angehen lassen, als durch Überreizung oder gar eine Verletzung die Lust am Barfuß-Laufen verlieren.
  • Kauf’ Dir ein paar Barfuß-taugliche Schuhe als Übergangs-Lösung. Sie bieten Dir eine Brücke und es gibt sie in verschiedenen Varianten: Mal mehr, mal weniger Barfuß-Feeling und für jeden Geschmack ist was dabei.
  • Trainier’ Deine Füße bewußt: Kauf Dir einen Igelball* und roll’ mit Deinen Füßen bei der Schreibtisch-Arbeit drauf rum. Du kannst damit auch gezielt die Waden massieren, die beim Barfußlaufen schnell viel stärker werden müssen. Danach kannst Du es mit einem dicken Flummi probieren. Kannst Du auf einem Flummi einbeinig stehen?
  • Gib’ Deinen Waden und Deiner Achillessehne Zeit: Die haben es jetzt besonders schwer. Ein Leben lang hatten sie kaum zu tun, jetzt sollen sie auf einmal Federn wie ein Geländewagen? Vor allem Sehnen brauchen mehr Zeit als Muskeln, um trainiert zu werden, weil sie sich nur passiv mit Nährstoffen ernähren. Fang’ daher erst mit kleinen Strecken an. Ich selbst hab’ mit mit meinen Vibrams mit 2km und dann mit 5km angefangen, bis ich mich auf heute 9km hochgearbeitet habe, und das innerhalb eines ganzen Jahres.
  • Es muß Spaß machen! Lass die Barfuß-Arbeit nicht in Arbeit ausarten. Es geht doch darum, ein verlorenes Gut wieder zu entdecken, und das sollte Spaß machen. Meine Kinder sind 2 und 5 und die laufen ganz natürlich und vor allem mit Spaß barfuß und genauso sollte es auch bei Dir sein.

Hilfreiche Barfuß-Links

Zum Schluß noch ein paar Links zum Weiterlesen:

Buchtipps

Deine Erfahrungen: Wie läufst Du barfuß?

Welche Erfahrungen hast Du mit Barfuß-Laufen gemacht? Läufst Du auch längere Strecken barfuß oder in Barfuß-Schuhen? Oder fängst Du jetzt an und willst Du uns Deine ersten Eindrücke schildern? Schreib’ einen Kommentar!


Update (22.03.2012): Jörg Peitzker hat eine Seite über sich, da hab’ ich die Links auf seinen Namen entsprechend angepasst.

Update (16.10.2012): Ein Absatz über die Senmotic Barfußschuhe ist noch hinzugekommen.


*: Amazon Affiliate-Link: Kauf’ Dich schlank und unterstütze dabei Paleosophie mit einer kleinen Prämie. Wir beide gewinnen!

Von Constantin Gonzalez am 17.03.2012, aktualisiert: 17.09.2016 in Laufen.


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