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Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

09.04.2012, aktualisiert: 17.09.2016 | Kommentare

Blutdruck, Cholesterin-Spiegel und Körperfett zum Selber-Programmieren

Blutdruck, Cholesterin-Spiegel und Körperfett zum Selber-Programmieren

Insulin kennt jeder: Es ist das Hormon, das Diabetes-Kranke sich regelmäßig spritzen müssen, weil ihr Körper es nicht (mehr) selbst in genügender Menge produziert.

Auch wissen die meisten, dass Insulin etwas mit dem Blutzucker-Stoffwechsel zu tun hat. Doch Insulin kann noch mehr! Und weil Insulin nur die halbe Story ist, sollten wir auch seinen Gegenspieler kennen lernen: Das Glucagon. Gemeinsam teilen sich die zwei Hormone die Macht über unseren Stoffwechsel auf: Kohlenhydrat- und Zuckerabbau, Fettanbau und -abbau, Blutdruck, Cholesterin-Spiegel, Wasseransammlungen im Körper, Eiweiß-Stoffwechsel, Diabetes und noch viel mehr. All das hängt mit dem Zusammenspiel dieser beiden Hormone, die gegensätzlicher gar nicht sein könnten, zusammen.

Was hat das mit der Paleo-Ernährung zu tun? Sehr viel! Wenn wir verstehen lernen, wie Insulin und Glucagon zusammen spielen, dann erkennen wir auch, welche Rolle unsere Ernährung beim gesunden Verhältnis dieser beiden Hormone spielt – und wie eine „normale” Ernährung die Harmonie dieser beiden gehörig durcheinander bringen kann. Ganz nebenbei lernen wir, wie wir unseren Blutdruck senken können – ganz ohne Medikamente, und wie wir auch das „böse” LDL-Cholesterin senken können – auch ganz ohne Medikamente. Einfach nur, indem wir uns diese beiden Hormone zunutze machen, und sie in unserem Sinne „programmieren”.

Insulin: Freund oder Feind?

Fangen wir mit Insulin an. Dieses Hormon ist u.a. dazu da, den Blutzucker-Spiegel in engen Grenzen zu halten. Denn normalerweise entspricht die Menge Blutzucker im gesunden Menschen etwa einem Teelöffel. Ganz richtig: Mehr als ein Teelöffel Zucker sollte im gesunden Menschen nicht drin sein! Denn Zucker ist für den Menschen giftig: Zucker (vor allem Fruchtzucker) reagiert sehr gerne und schnell mit Eiweißen unkontrolliert zu sog. AGEs: „Advanced Glycation End Products”. Das ist das, was beim Steak braun aussieht, wenn man es brät. Beim Steak ist das lecker, doch wer möchte gebratene Arterien haben?

Doch genau das passiert, wenn man zuviel Zucker im Blut hat: Es reagiert unkontrolliert mit dem Eiweiß der Blutgefäße und erzeugt dort klebrige, karamellartige Verklumpungen. Nicht gut! Das ist der Grund, warum Schlaganfall, arterielle Verschlußkrankheiten, Nieren- und Nervenstörungen und Schäden an der Netzhaut des Auges zu den Folgeschäden von Diabetes zählen: Sie alle sind Folgen von Schädigungen feinster Blutgefäße, verursacht durch zuviel Zucker im Blut.

Zucker im Blut ist also gefährlich, daher hat die Natur eine Gegenmaßnahme entwickelt: Das Insulin! Und das funktioniert so:

  • Jedes mal, wenn wir etwas essen, das Kohlenhydrate enthält, steigt der Blutzucker-Spiegel an. Denn alle Kohlenhydrate, ganz gleich ob Zucker, Nudeln, Brot, Kartoffeln, Wurzeln, Früchte, etc. werden durch Enzyme im Speichel und im Darm in ihre Bestandteile zerlegt: Zuckermoleküle. Und die werden über die Darmhaut aufgenommen und in den Blutkreislauf gespült.
  • Steigt der Blutzuckerspiegel an, schüttet die Bauchspeicheldrüse über Beta-Zellen an der Oberfläche das Hormon Insulin aus.
  • Insulin signalisiert den Körperzellen: „Achtung! Schluß mit der Fettverbrennung, jetzt wird geschaufelt!” Und zwar Zucker aus dem Blut in die Zellen. Die Leber saugt z.B. Zucker aus dem Blut auf und wandelt es in ungefährliches Fett um, Muskeln speichern Zucker in Form von Glykogen ein und auch sonst tut jede andere Zelle im Körper ihr Möglichstes, um bei der Entsorgung von Zucker aus der Blutbahn zu helfen.
  • Irgendwann ist der Blutzucker-Spiegel im Blut wieder normalisiert und das Insulin wird wieder abgebaut. Der Normalzustand ist wieder erreicht.

Klingt ganz ok, oder? Bisher nicht viel Neues, denn das lernt jeder in der Schule über Insulin. Das ist auch das, was in jeder „normalen” Mahlzeit passiert, denn wer morgens Brot, mittags Nudeln und Abends Reis isst, dazu Fruchtsäfte, Limonade und Bier trinkt und zwischendurch Kuchen, Kekse, Eis und Schokolade nascht, der nimmt viel mehr als 1 TL Zucker zu sich. Und der muß weg. (Zum Vergleich: Eine Dose Cola enthält mit 35g Zucker schon sieben mal mehr als die 1 TL.)

Macht Euch doch mal die Mühe und rechnet zusammen, wieviel Gramm Kohlenhydrate Ihr am Tag zu Euch nehmt. Das steht auf den Packungen drauf oder kann unter Kohlenydrate-Tabellen.com nachgeschlagen werden. Dann vergleicht das mal mit 1 TL Zucker…

Insulin: Ein nützliches Hormon mit Nebenwirkungen

Zurück zum Insulin. Leider hat das Hormon auch Nebenwirkungen und die sind nicht immer bekannt. Die Nebenwirkungen von insulin stehen schon gar nicht auf der Packung Kekse drauf, dabei sollten sie genauso dazugeschrieben werden, wie die Warnungen auf den Zigaretten-Packungen!

  • Für die Einlagerung von Glykogen wird Wasser benötigt. Daher sendet Insulin ein starkes Signal an die Nieren, dass Wasser eingelagert werden soll, und zwar indem mehr Kochsalz im Körper vorgehalten wird: Mehr Salz im Blut führt zu mehr Wasser im Blut, das heißt die Blutmenge erhöht sich. Mehr Blut bei gleichem Platzangebot in den Blutgefäßen bedeutet: Höherer Blutdruck.
  • Gleichzeitig fördert Insulin das Wachstum der glatten Muskulatur in den Arterien. Diese werden dadurch enger und es gibt langfristig weniger Platz für Blut im Kreislauf: Nochmal höherer Blutdruck.
  • Damit Insulin nicht zu lange wirkt und zu einer ebenfalls lebensgefährlichen Unterzuckerung des Blutes führt, lockt es neben Glucagon (dazu kommen wir später) auch ein paar Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus der Reserve: Diese weisen Insulin wieder in seine Schranken, nachdem es seine Arbeit erledigt hat. Nebenbei produzieren sie auch einen höheren Blutdruck.
  • Dreimal erhöhter Blutdruck, doch damit nicht genug: Normalerweise pendelt sich der Cholesterin-Spiegel (genauer: Die Menge des „bösen” LDL) auf einem gesunden Niveau ein, weil die Körperzellen Cholesterin aus dem Blut aufnehmen und die Leber nur so viel Cholesterin produziert, wie unbedingt nötig. Wird jedoch Insulin ausgeschüttet, dann werden alle Körperzellen dazu animiert, ihr eigenes Cholesterin zu produzieren. Die Leber hat nämlich jetzt besseres zu tun, z.B. Zucker aus dem Blut fischen und in Fett verwandeln. Da unsere Körperzellen nun keinen Bedarf an Blut-Cholesterin mehr haben, bilden diese ihre LDL-Rezeptoren zurück, so dass sie kein LDL-Cholesterin mehr aus dem Blut herausnehmen. Dadurch sammelt sich mit der Zeit ungenutztes LDL-Cholesterin im Blut an: Langfristiger Insulin-Überschuß erhöht die körpereigene Cholesterin-Produktion (ganz ohne Eier!) und verhindert den Abbau des „bösen“ LDL-Cholesterins. Cholesterin ist ein komplexes Thema, das einen eigenen Artikel verdient hat, aber belassen wir’s zunächst dabei, der richtige Cholesterin-Artikel kommt noch!
  • Schließlich kurbelt Insulin die Fett-Produktion an, denn der einzige Weg, überschüssige Kohlenhydrate (also die, die nicht als Glykogen in den Muskeln eingelagert wurden) loszuwerden ist, sie in Körperfett umzuwandeln.

Das ist jetzt nicht an den Haaren herbeigezogen, denn diese Effekte von Insulin sind weitläufig bekannt: Wassereinlagerungen werden häufig bei Insulin-Behandlung beobachtet und sie haben einen eigenen Namen: Insulinödem. Auch die Wirkungen und Mechanismen über die Insulin den Blutdruck steigert und die Erhöhung der LDL-Werte aufgrund chronisch erhöhter Insulin-Werte sind ebenfalls längst erforscht und sie stehen in modernen Lehrbüchern über Medizin und Biochemie längst drin.

Die Nebenwirkungen von Insulin sind natürlich nur langfristig: Wer ein Stück Zucker oder eine Portion Kartoffelbrei isst, der wird nicht gleich an Bluthochdruck sterben oder einen Herzinfarkt aufgrund der erhöhten LDL-Cholesterin-Menge bekommen, das ist klar. Denn die Rolle von Insulin im Körper entspricht eher die einer Feuerwehr: Langfristige Ziele wie ein niedriger Blutdruck, ein gesundes Verhältnis von HDL- zu LDL-Cholesterin oder ein idealer Anteil von Körperfett werden angesichts der kurzfristigen Gefahr durch Überzuckerung für kurze Zeit gestoppt.

In einer natürlichen menschlichen Lebensweise (z.B. bei Ureinwohnern überall auf der Welt oder in der Steinzeit) ist alles in Ordnung, denn dann ist ein erhöhter Insulin-Spiegel nur eine Ausnahmesituation: Einmal die Woche vielleicht gibt es eine Situation, in der der Urmensch einen Bienenstock ausgenommen hat oder eine größere Menge Wurzeln und Früchte mangels Jagderfolg verzehrte. Und wie April in ihrem Artikel Paleo is nicht gleich Low-Carb schrieb, gab es auch eine saisonale Komponente: Kohlenhydrate sind für Ureinwohner und Urzeit-Menschen nur im Sommer verfügbar, im Winter gibt’s halt keine.

Insulinresistenz: Wenn Nebenwirkungen sich aufschaukeln

Ihr ahnt es bereits: Bei „normaler“ Zivilisations-Ernährung bekommt unsere Insulin-Feuerwehr wenig Ruhe: Kaum sind die Kohlenhydrate vom Frühstück verdaut, naht schon der Vormittags-Snack in Form von Keksen oder Schokoriegeln, um zum Mittagessen in der Kantine überzuleiten, das dank „Sättigungsbeilage“ wieder eine Extra-Portion Insulin für die Zellen bereithält. Nachmittags Eis oder Kuchen und Abends wieder Insulin.

Schlimmer noch: Immer noch empfehlen Ärzte und Ernährungsberater eine Kohlenhydrat-reiche und fettarme Kost und behaupten auch noch, diese würde sich günstig auf Körpergewicht, Blutdruck und Cholesterin-Werte auswirken. Der Gipfel: Die Nudel-Diät einer bekannten Frauen-Zeitschrift. Das ist angesichts längst erforschter und inzwischen weitläufig bekannten Insulin-Mechanismen – gelinde gesagt – grober Unfug!

Doch damit nicht genug: Unsere Rezeptoren für Insulin werden bei Überreizung mit der Zeit taub für das Hormon-Signal. Wenn in der Innenstadt alle fünf Minuten eine Alarmanlage geht, hört irgendwann keiner mehr hin. Und das führt zu einer regelrechten Insulin-Spirale:

  • Nach einer leckeren Pasta-Party wird Insulin ausgeschüttet und der Körper reagiert wie gewohnt.
  • Nach einer Kindheit voller Süßigkeiten, Pasta, Reis und Kartoffeln („Das Kind soll doch wachsen!“) zeigen die Insulin-Rezeptoren erste Ermüdungserscheinungen: Die Reaktion auf das Insulin dauert länger.
  • Die Bauchspeicheldrüse reagiert und produziert mehr Insulin.
  • Teenies können so viel essen wie sie wollen und werden (meist) nicht dick, doch unbemerkt im Hintergrund bauen sie mehr Insulinresistenz auf – und die Insulin-Menge pro Mahlzeit nimmt weiter zu.
  • In den 30ern setzt dann der „Bierbauch“ ein, der eher ein „Insulin-Bauch“ ist: Immer mehr Insulinresistenz baut sich auf, immer größere (und länger andauernde) Mengen von Insulin werden pro Mahlzeit ausgeschüttet. Jetzt werden die langfristigen Nebenwirkungen bei ersten Patienten bemerkbar: Der Blutdruck geht langsam rauf, ebenso die Cholesterin-Werte.
  • Das Spiel setzt sich weiter fort, bis bei einer Kontroll-Untersuchung der Arzt die ersten Vorschläge für Blutdruck-senkende Mittel oder gar Cholesterin-Senker macht: „Das Alter“ ist natürlich schuld. Doch gegessen wird weiter.
  • Irgendwann gibt die Bauchspeicheldrüse einfach auf: Auf der einen Seite ist sie überlastet, auf der anderen Seite sorgen Entzündungs-Vorgänge durch Auto-Immun-Effekte aus Getreide dafür, daß sich die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zurückbilden. Jetzt ist das Stadium der Diabetes Typ 2 erreicht.
  • Doch es geht noch weiter: Denn durch Spritzen von Insulin kann jetzt die Insulin-Menge weiter erhöht werden und der Effekt seiner Nebenwirkungen damit auch!

Die Top 5 der Insulin-Kicker

Einige Leser werden sicher findig bemerken, daß Insulin ja auch beim Verzehr von Proteinen ausgeschüttet wird und daher gar nicht so schlecht sein kann. Schließlich ist es ja das „Speicher“-Hormon und auch Proteine wollen nach der Verdauung dank Insulin von den Körperzellen aufgenommen und verwertet werden.

Das stimmt. Hier kommt es, wie so oft, auf die Menge an: Ein bißchen Insulin ist nützlich, tägliche Insulin-Vollbäder sind dagegen schädlich. Also schauen wir uns mal die Mengen an:

Das Ärzte-Ehepaar Michael und Mary Dan Eades hat in ihrem Buch Protein Power: The High-Protein/Low-Carbohydrate Way to Lose Weight, Feel Fit, and Boost Your Health--in Just Weeks!* (sehr empfehlenswert, aber leider nur auf Englisch zu haben) eine Tabelle mit Nahrungs-Varianten und ihre Wirkung auf die Insulin-Ausschüttung beim Menschen veröffentlicht. Hier die Top 7 in umgekehrter Reihenfolge (von wenig Insulin bis maximalem Insulin-Ausstoß):

  • Fett: Unser alter Freund, das Fett beeinflußt den Insulin-Spiegel überhaupt nicht. Fett tut nicht weh, es wird im But von HDL-Cholesterin durch die Gegend transportiert, wo es gebraucht wird, bzw. einfach verbrannt.
  • Proteine: Wie gesagt sorgen auch Proteine dafür, daß Insulin ausgeschüttet wird, doch nur in kleinen Mengen. Auch wenn Protein mit beliebig viel Fett kombiniert wird, oder Proteine mit ein wenig Kohlenhydrate auftreten (z.B. Gemüse zum Fleisch), wird nur ein wenig Insulin ausgeschüttet: Alles in Ordnung.
  • Kohlenhydrate mit Fett: Langsam wird’s ernst: Kombiniert man Fett mit Kohlenhydraten, dann wird schon deutlich mehr Insulin ausgeschüttet.
  • Kohlenhydrate alleine: Überraschend nur auf Platz zwei: Die reine Kohlenhydrat-Mahlzeit. Denn es geht noch was:
  • Viele Kohlenhydrate mit ein wenig Protein: Und hier unser Gewinner für den Mega-Insulin-Kick! Jetzt bekommen Hamburger, Pizza Salami, Döner, Spaghetti Bolognese, Kuchen (wg. der Eier), Risotto mit Meeresfrüchten und fast alles, was kulinarisch ganz oben auf der Beliebtheits-Skala ist eine ganz neue Bedeutung…

Jetzt wird es also höchste Zeit, den Gegenspieler des Insulins kennenzulernen: Glucagon!

Glucagon: Die helle Seite der Macht

Glucagon ist in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil des Insulins: Wenn der Blutzucker knapp wird, also unter die 1-TL-pro-Nase-Schwelle fällt, produziert unsere Bauchspeicheldrüse (diesmal die Alpha-Zellen) mehr Glucagon. Glucagon sagt den Körperzellen, dass sie fortan lieber Fett für ihre Energie verwenden sollen und weniger Zucker, bzw. Glykogen. Einige Körperzellen verbrennen sowieso lieber Fett als Zucker, z.B. das Herz und auch unsere Muskeln nehmen für eher langfristige Jobs (wie z.B. das Laufen) bevorzugt Fett und sparen sich ihr Glykogen lieber für Sprints auf. Glucagon regt auch die Neusynthese von Glucose-Zucker aus Proteinen an („Gluconeogenese“), ein Vorgang, den wir schon vom Fasten kennen.

Glucagon wirft also die Fett-Verbrennungs-Maschine im Körper an! Und ebenso wie Insulin, hat auch Glucagon ein paar Nebenwirkungen:

  • Glucagon animiert Fett-Zellen dazu, ihr Fett abzugeben und dieses in Ketonkörper zu verwandeln, die von Körperzellen verbrannt werden können.
  • Glucagon reduziert die Produktion von Cholesterin in den Körperzellen. Diese bilden nun vermehrt LDL-Rezeptoren aus, die LDL-Cholesterin aus dem Blut fischen: Der Gehalt an LDL (das „böse“ Cholesterin) im Blut verringert sich.
  • Glucagon sagt den Nieren auch, daß sie überschüssiges Wasser ausscheiden sollen. Wer mit einer Low-Carb-Diät anfängt, der sieht in der ersten Woche eine dramatische Gewichtsabnahme von mehreren kg. Das ist das überschüssige Wasser, das dank Glucagon ausgeschieden wird. Ach ja, wir erinnern uns: Weniger Wassereinlagerung = weniger Blutmenge = niedrigerer Blutdruck!
  • Glucagon animiert auch die Rückbildung der glatten Muskelzellen in den Arterien: Diese weiten sich und sorgen nochmal für niedrigeren Blutdruck

Glucagon, das Wunder-Medikament?

Stellt Euch also vor, ich würde Euch eine Pille verkaufen, mit nur einem Wirkstoff, der gleichzeitig Fett verbrennt, den Blutdruck senkt, das gute HDL-Cholesterin erhöht und als Sahnehäubchen oben drauf auch noch das böse LDL-Cholesterin senkt. Ich könnte reich werden!

Aber leider kann man Glucagon nicht patentieren.

Denn Glucagon ist in jedem von uns drin: Auf der Bauchspeicheldrüse, in den Alpha-Zellen. Und es wartet nur darauf, bis er raus kann, um seine nützliche Arbeit zu verrichten: Indem man einfach auf Kohlenhydrate verzichtet und seinen Insulin-Spiegel damit kontrolliert. Denn Kohlenhydrate sollten in der Nahrung nur eine Ausnahme sein, nicht die Regel.

Wie gut funktioniert nun unser körpereigenes Glucagon-Medikament?

Unser Ärzte-Ehepaar aus Protein Power: The High-Protein/Low-Carbohydrate Way to Lose Weight, Feel Fit, and Boost Your Health--in Just Weeks!* kam über Umwege und das Studium zahlreicher medizinischer Publikationen schon in den frühen Jahren zu dem Schluß, daß die modernen Ernährungs-Empfehlungen angesichts einer steigenden Quote an Übergewicht in den USA und dem Rest der westlichen Welt nicht der Weisheit letzter Schluß sind. Über diese Erkenntnisse und ermutigt durch immer wieder auftretende Berichte von Diäten mit niedrigem Kohlenhydrat-Gehalt (z.B. „Low-Carb“ und „Atkins“) begannen sie, an sich selbst und später an freiwilligen Patienten eine Low-Carb-Ernährung zu testen. Mit verblüffenden Erfolgen:

  • Tausende von Patienten haben die Doktoren Eades bisher behandelt und dabei immer wieder eine schnelle Gewichts-Abnahme, sowie eine Verbesserung ihrer Blutdruck- und Cholesterin-Werte festgestellt. Bisher haben sie keinen einzigen Fall gefunden, bei denen der Low-Carb-Ansatz irgendwelche Nachteile gezeigt hätte.
  • Patienten, die vorher Blutdruck-senkende Mittel genommen hatten, konnten diese innerhalb weniger Tage absetzen. Der Effekt war teilweise so drastisch, daß einzelne Patienten, die stark Übergewichtig waren und starke Blutdrucksenker nahmen nach wenigen Tagen über Schwächezustände klagten: Ihr Blutdruck hatte sich alleine durch die Ernährung so stark normalisiert, daß die Blutdruck-senkenden Mittel nun zur Gefahr wurden!
  • Ebenso dramatisch stellte sich bei ihren Patienten eine Normalisierung der Cholesterin-Werte ein: In ihrem Buch berichten sie über zahlreiche Fälle, bei denen sie Patienten mit erhöhten Cholesterin-Werten alleine durch Umstellung auf eine Protein-reiche und Kohlenhydrat-arme Kost und ohne Medikamente helfen konnten. Extremfall: Ein über 88-jährigen Mann, der in seinem Altersheim dafür bekannt war, daß er täglich über zwanzig(!) Eier aß, und trotzdem normale Cholesterin-Werte ohne Einfluß durch Medikamente hatte. Er wurde von den Medien wie eine Laune der Natur behandelt, doch mit dem Wissen über Insulin und Glucagon können wir jetzt sagen: Der Mann hatte einen ganz normalen Stoffwechsel! Die vielen Eier (damit kam er auf über 2000 Kalorien täglich) haben nämlich durch Sättigung dafür gesorgt, daß der Rentner kaum Kohlenhydrate zu sich nahm, so daß er nicht an Insulin-Nebenwirkungen leiden mußte.
  • Je nach dem wie stark die Insulinresistenz bereits fortgeschritten ist, kann sie sich auch wieder zurückbilden, bis zur vollständigen Heilung. Auch Diabetes ist in Einzelfällen heilbar. Einer der bekanntesten Beispiele für so einen Fall ist Ray Kurzweil, Erfinder und Zukunftsforscher. Bei ihm hatte sein Arzt mal Diabetes Typ II diagnostiziert. Unzufrieden mit der Aussicht, sein Leben lang Insulin spritzen zu müssen und motiviert von der Sehnsucht, seine eigene Zukunft erleben zu dürfen fing er an, alles zu lesen, was er an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Ernährung, Gesundheit und Diabetes finden konnte. Und landete bei einer Mischung aus Low-Carb mit vielen, minutiös recherchierten Supplementen. Seine Erfahrungen schrieb er gemeinsam mit seinem Hausarzt in Fantastic Voyage: Live Long Enough to Live Forever* und in Transcend: Nine Steps to Living Well Forever* nieder. Zwei empfehlenswerte Bücher, gespickt mit Vorschauen in die Zukunft der Medizin, die manchen SF-Thriller in den Schatten stellt.

Wir stellen also fest: Unser Freund Glucagon kann es mit den mächtigsten Blutdruck- und Cholesterin-Senkern der Pharma-Industrie aufnehmen, man muß ihn nur lassen. Einzige Nebenwirkung: Man wird davon auch noch schlank.

Fazit: Wer möchte schon drei mal am Tag die Feuerwehr im Haus haben?

Insulin und Glucagon sind die Dirigenten des menschlichen Stoffwechsels: Im Normalfall dominiert das Glucagon, das die Fettverbrennung begünstigt und auch sonst für einen normalen Blutdruck und normale Cholesterin-Werte sorgt. Insulin ist von der Natur eher als Ausnahme gedacht: Nehmen wir große Mengen an Kohlenhydraten auf, dann dominiert es und sorgt wie eine Feuerwehr dafür, daß überschüssiger Blutzucker aus Kohlenhydraten schnell aus dem Blut entsorgt und in Fett verwandelt wird, bevor es Schaden anrichten kann.

Unsere Zivilisations-Nahrung ist aber nicht mehr „normal” für den Menschen: Der hohe Anteil an Kohlenhydraten sorgt für einen ständigen Insulin-Überschuß im Körper, der über Ermüdungserscheinungen bei den Insulin-Rezeptoren (Insulinresistenz) über die Jahre zu einer Spirale mit immer höheren Insulin-Werten pro Mahlzeit sorgt. Dann treten auch die Nebenwirkungen von Insulin stärker zutage: Wassereinlagerungen, erhöhter Blutdruck, höhere LDL-Cholesterin-Werte und Übergewicht. Dieser Zustand ist auch als „Metabolisches Syndrom, oder Syndrom X” bekannt, das die häufigsten Gesundheits-Probleme in modernen Zivilisationen mit einem Begriff vereint.

Zusammengefasst:

Weniger Kohlenhydrate => weniger Insulin => mehr Glucagon => mehr Fett-Verbrennung, normale Blutdruck-Werte, gesündere Cholesterin-Werte und ein allgemein niedrigeres Risiko, unter typischen Zivilisations-Krankheiten zu leiden. Ganz ohne Pillen.

Viel Spaß beim Programmieren von Blutdruck, Cholesterin-Spiegel und Körperfett!

Bücher*

P.S.: Es gibt natürlich noch viel mehr Faktoren, die Übergewicht, Blutdruck, Cholesterin, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und andere Zivilisations-Krankheiten beeinflussen: Giftstoffe in der Nahrung (z.B. aus Getreide, Hülsenfrüchten), industriell veränderte Nahrungsmittel (Supermarkt-Milch, Trans-Fette), falsche Fette (z.B. aus pflanzlichen Ölen), individuelle Historie oder Genetik. Doch sollte man bei den Grundlagen anfangen: Wenn das Verhältnis von Insulin und Glucagon stimmt, dann kann man sich aus dieser Basis heraus auch mit anderen Faktoren beschäftigen.


Bildquellen: Insulin-Hexamer von Isaac Yonemoto, Wikipedia.org. Glucagon-Molekül von „brian0918“, Wikipedia.org. YinYang-Symbol von „Klem“, Wikipedia.org. Der Rest ist von mir.

Update: Ursprünglich stand in diesem Artikel, daß die normale Zuckermenge im Blut ca. 1TL betrage. Das hatte ich aus Mark Sisson’s The Primal Blueprint* entnommen. In den Kommentaren wies Leser Dantes darauf hin, daß die normale Menge Glucose beim Menschen mit 80-100mg/dl höher sei, nämlich ca. 40g pro Mensch, also eher 8TL (oder nach meiner Berechnung griffigere 3 EL). Also hab’ ich den Text entsprechend korrigiert und als Referenz die Menge Zucker in einer Cola-Dose dazugeschrieben: etwa 35g, je nach Quelle.

Update: Jetzt hatte ich mich doch noch verwirren lassen. Also nochmal. Richtig ist: 100mg/dl entsprechen 1 Gramm pro Liter (beide Seiten mal 10) und damit 5 Gramm pro Mensch (bei 5 Litern Blut pro Nase). 70 mg/dl sind damit 3,5 Gramm pro Mensch. Passt beides in einen (gehäuften) Teelöffel. Nächstes Mal nehme ich doch den Taschenrechner…


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Von Constantin Gonzalez am 09.04.2012, aktualisiert: 17.09.2016 in Grundlagen.


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