Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

Vimeda Bluttests: Die Ergebnisse

Ergebnis-Übersicht bei Vimeda

Vor einiger Zeit berichtete ich über Vimeda, den Online-Dienst für Blutanalysen.

Jetzt ist der Urlaub vorbei und ich kann nun von meinen Erfahrungen mit Vimeda berichten. Alles in allem: Ein nützlicher Dienst mit hilfreichen Tests. Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte man lieber selber recherchieren, wenn einem konventionelle Durchschnitts- oder Referenz-Werte zu unspezifisch sind.

8 verschiedene Testkits zur Auswahl

Vimeda bietet verschiedene spezielle und kombinierte Tests nach Zielgruppen sortiert an, die mehr oder weniger viele Blutwerte testen. Die kombinierten Tests richten sich an Sportler, Neugierige oder Menschen, die über Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel ihre Gesundheit optimieren wollen. Einzel-Tests messen Werte wie das Omega-3/-6-Verhältnis, Vitamin D oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Meine Wahl fiel auf den Vimeda Performance Test, weil er eine gute Kombination aus verschiedenen Mineralien und Spurenelemente wie Magnesium, Zink, Selen, Kalium, Jodid, Eisen, etc. testet, sowie Omega-3-Fettsäuren und ein paar andere interessante Marker wie Testosteron, C-reaktives Protein (ein Entzündungs-Marker) und ein paar Aminosäuren. Insgesamt 41 Marker misst der Performance Test. Leider waren keine Vitamine mit dabei.

Wenige Tage nach der Online-Bestellung kommt das Testkit nach Hause. Für die Durchführung der Tests sollte man morgens nach dem Aufwachen und nüchtern in Ruhe die Testprozedur studieren sowie das gut gemachte Tutorial-Video zur Blutabnahme anschauen.

Je nach Kit müssen eine oder mehrere Test-Stäbchen (die wie Wattestäbchen funktionieren) oder Felder auf einem Test-Kärtchen tropfenweise mit Blut benetzt werden, um die Blutproben zu entnehmen. Dazu sind im Testkit alle nötigen Dinge drin: Desinfektions-Tuch, mehrere Piekser, Pflaster, etc.

Für meinen Performance-Test mussten schon einige mehr Stäbchen und Testfelder auf einer Karte beträufelt werden. Offenbar funktioniert meine Blutgerinnung sehr gut, denn ich musste alle drei Piekser aufbrauchen und kräftig Blut aus meinen Fingern massieren, um alle Proben angemessen zu benetzen. Doch am Ende war alles fein rot, was rot sein sollte und die Proben konnten per Post auf den Weg gebracht werden.

Über einen Code, der dem Test beiliegt und den man auf der Vimeda-Homepage eingibt werden die Proben dem eigenen Vimeda-Account zugeordnet, ohne dass die Labore, die die Proben bearbeiten die eigene Identität kennen müssen. Sobald man sein Testkit registriert hat, wird man per E-Mail über den aktuellen Stand der Ergebnisse informiert: Wann die Tests eingegangen sind, ob es Verspätungen gab und wann die Ergebnisse abgerufen werden können.

Die Ergebnisse

Anderthalb Wochen nach Probeneingang waren meine Ergebnisse verfügbar. Offenbar geht das in der Regel schneller, denn kurz vorher bekam ich eine freundliche Email, dass die Ergebnisse etwas länger dauern, als erwartet. Sehr aufmerksam!

Vielleicht an dieser Stelle etwas zur Präzision der Ergebnisse: Natürlich ersetzt Vimeda keinen Bluttest beim Hausarzt und auch die Methode, das Blut an der Fingerkuppe tropfenweise abzunehmen und getrocknet einzuschicken („Trockenblutverfahren“) ist vielleicht weniger präzise, als eine Ampulle mit ein paar Milliliter Blut beim Arzt zu füllen. Auf der anderen Seite werden laut Vimeda alle Tests in zertifizierten Laboren bearbeitet, so dass ich hier schon davon ausgehe, dass die Ergebnisse präzise genug sind, um sich einen sinnvollen Überblick über die gemessenen Werte zu verschaffen.

Bei allen Tests, ob beim Hausarzt oder per Online-Testkit gilt: Gewisse Schwankungen gibt es immer und jeder Test ist nur eine kurze Momentaufnahme, so dass man die Ergebnisse dementsprechend vorsichtig interpretieren sollte. Für folgenschwere Entscheidungen, wie z. B. die langfristige Einnahme von Medikamenten sollte man (auch beim Hausarzt) lieber mehrere Tests über einen längeren Zeitraum machen.

Vimeda stellt die Ergebnisse übersichtlich im privaten Bereich der Webseite dar. Dabei gruppiert der Dienst die Werte nach einem Ampelsystem: Die Spalten „Optimal“ (grün), „Tendenz kritisch“ (gelb) und „Kritisch“ (rot) listen jeweils die Marker und ihre Messwerte auf, deren Ergebnisse entweder im Normbereich liegen oder mehr oder weniger weit davon abweichen.

Interpretation ist Ansichtssache

Und hier liegt eine der Schwächen von Bluttests im Allgemeinen (und nicht unbedingt von Vimeda): Nicht immer ist bekannt, welche Werte wirklich „gut“ oder „schlecht“, „normal“ oder „optimal“ sind.

Oft wird als „Normalbereich“ ein Wertebereich angenommen, in dem ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung vertreten ist. Das muss nicht heißen, dass dieser Bereich „gut“ oder gar „optimal“ ist: Wer sagt denn, dass der Durchschnitt der Bevölkerung überhaupt gesund ist?

Außerdem ist bei vielen Werten nicht bekannt, ob ein „zuviel“ wirklich schädlich ist. Manchmal kann ein „zu hoher“ Wert auch bedeuten, dass etwas besonders gut läuft.

Hier würde ich mir mehr Klarheit wünschen, welche Werte aus welchen Gründen als „Normbereich“ gewählt wurden und wie gesichert die Erkenntnisse sind, dass ein Über- oder Unterschreiten dieser Werte zu Problemen führen kann.

Als Beispiel war mein Tryptophan-Wert mit 35,3 Mikromol/l deutlich höher als der „Normalwert“, daher steht meine Tryptophan-Ampel auf „rot“.

Laut Vimeda heißt das: „Dein Tryptophan ist oberhalb des Normbereichs. Wichtiger ist es einen Mangel an Tryptophan auszuschließen, insbesondere da es essentiell ist. Den hast du ja auf jeden Fall nicht.“ Klingt nicht so, als wäre das jetzt ein Grund zur Besorgnis, denn weiter heißt es: „Tryptophan wird bei der Synthese von vielen Deiner körpereigenen Proteinen und Enzymen benötigt. Tryptophan ist für einen gesunden Schlaf wichtig, und trägt zur Stimmungsaufhellung bei.“

Hmm. Aber warum rot? Je mehr ich mich über Tryptophan informiere, umso eher habe ich den Eindruck, dass diese Aminosäure eigentlich eine ganz tolle Sache ist: Sie hebt den Serotoninspiegel im Gehirn an, macht dadurch glücklich, vermindert Depressionen, hilft einen gesunden Schlaf zu haben usw. Gemessen am „Normbereich“ geht es mir offenbar zu gut, oder?

Ähnlich war die Situation auch bei Asparagin, das bei mir ebenfalls deutlich erhöht war, obwohl es sich auch hier um eine nützliche Aminosäure handelt. Vielleicht habe ich kurz vor dem Test auch Spargel gegessen, das weiß ich nicht mehr.

Von meinen 5 „roten“ Werten war für mich allein der Wert für den löslichen Transferrinrezeptor interessant: Der war nicht wirklich „rot“, sondern genau an der oberen Grenze des Normbereichs. Der lösliche Transferrinrezeptor steht in umgekehrtem Zusammenhang mit dem verfügbaren Eisen im Körper: Je höher, desto weniger Eisen im Körper, bzw. umgekehrt. Ich darf mir also ruhig noch ein paar mehr Steaks oder mehr Leber gönnen. Gesundheitlich betrachtet ist das auch kein Beinbruch: Gerade Männer haben eher Probleme, wenn sie zu viel Eisen haben, als zu wenig. Mal schauen also, was der nächste Test dazu sagt …

Vimeda-Ergebnisse für Gesamtcholesterin

Erwartungsgemäß wurde bei meinem Test der Messwert für das Gesamtcholesterin mit 274 mg/dl als „zu hoch“ angeprangert. Wie immer mehr gebildete Menschen wissen, kann man das Thema Cholesterin nicht auf einen simplen Messwert reduzieren, sondern muss das Thema Cholesterin differenziert betrachten. Wer wie ich und viele weitere Paleo-Fans eher mehr Fett isst, als Kohlenhydrate, der kann auch problemlos einen höheren Gesamtcholesterin-Wert haben, denn wenn der Körper insgesamt mehr Fett als Energiequelle verarbeitet, dann muss er es auch transportieren, und genau dafür ist das Cholesterin da.

Einen Rückschluss auf ein Herz-/Kreislaufrisiko lässt der Gesamtcholesterin-Wert nicht zu, viel nützlicher wäre hier eine Aufschlüsselung nach LDL-Partikelgröße gewesen. Stattdessen vertritt Vimeda hier die konventionelle Linie der DGE und empfiehlt weniger Fett und mehr Vollkorngetreide zu essen, was ich mal ignorieren werde.

Nützlicher für mich waren dagegen die Werte für EPA und für den Omega-3/6-Index: Diese waren eher niedrig (gelb), ich sollte also ruhig mehr Fisch essen und auf mehr Omega-3 achten. Ich nehme an, damit bin ich in München, fernab der Küsten eher in guter Gesellschaft. Also her mit dem Sashimi!

Zu jedem der gemessenen Werte gibt es Tipps, über welche Lebensmittel man versuchen kann, diese zu verbessern. Auch diese Hinweise entstammen eher konventionellen Quellen und sind in einigen Fällen zweifelhaft: z. B. kann man Mineralien nicht wirklich gut mit Hülsenfrüchten, Nüssen oder Körnern auffüllen, da hier einem die Phytinsäure einen Strich durch die Rechnung macht.

Im Großen und Ganzen muss man die Mühe, die sich Vimeda macht, um die Ergebnisse anschaulich, verständlich und mit weiterführenden Tipps zu präsentieren loben. Leider ist gerade in der Ernährung und der Medizin die Faktenlage kompliziert und viele Ansichten ändern sich über die Zeit. Auch kann man bestimmte Aussagen nicht auf einen simplen Blutwert (Beispiel: Cholesterin) reduzieren.

Man kann allerdings Vimeda hier keinen Vorwurf machen, wenn sie eher den Mainstream nach DGE vertreten, schließlich ist es nicht ihre Aufgabe, mit alten Mythen aufzuräumen. Also ist es (wie immer) besser, wenn man sich unabhängig informiert und sich ein eigenes Bild davon macht, welche Werte für einen wichtig sind und warum.

Fazit: Nützliche Bluttests für die, die ihre Hausaufgaben selber machen können

Alles in allem finde ich die Vimeda-Bluttests sehr gut, denn sie geben dem interessierten Paleo-/Ernährungs-/Gesundheits-Geek ein einfaches und umfangreiches Werkzeug in die Hand, mit dem man seine Blutwerte überprüfen kann. Die Tests kosten zwar Geld, sind aber in der Regel eher günstiger als beim Hausarzt, so dass sie zwischendurch für die Kontrolle gut geeignet sind.

Lediglich die Interpretation der Ergebnisse ist eher konventionell und dürfte daher für anspruchsvollere Nutzer aufgrund der Orientierung am Bevölkerungs-Durchschnitt und ihrer konventionellen Interpretation nicht immer aussagekräftig genug sein. Doch wer seinen Körper jenseits des „Normbereichs“ (wie auch immer der definiert ist) optimieren möchte, der weiß in der Regel schon vorher, welche Werte er warum erreichen möchte und wird daher das simple Ampelsystem ignorieren.

Ich werde mir jetzt die interessantesten Marker nochmal genauer anschauen und aus verschiedenen Quellen heraussuchen, welche Werte hier wirklich gut wären und warum. Das gibt sicher Stoff für einen weiteren Artikel …

Von Constantin Gonzalez am 14.09.2016, aktualisiert: 19.12.2016 in Testberichte.


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