Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

Bist Du zuckersüchtig?

Eine Frau mit Süßigkeiten in der Hand, in einem Supermarkt.

Zucker ist ungesund. Das weiß inzwischen jeder.

Zucker macht aber auch süchtig. Das ist vielleicht neu für Dich.

Wie gehst Du mit Zucker um?

Beobachte Dich selbst! In diesem Artikel steht, warum und wie.

Dass Zucker ungesund ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen.

Der prominente Professor Robert H. Lustig, Kinderarzt am Institut für Neuroendokrinologie (Eine Verknüpfung von Nerven- und Hormonwissenschaften) in San Francisco geht sogar so weit, zu sagen, dass Zucker (genauer gesagt der Fruktose-Anteil darin) ähnlich giftig ist wie Alkohol – schließlich wird er auf sehr ähnliche Weise von der Leber abgebaut.

Schon melden sich Gegner zu Wort: „Das ist übertrieben!“, „Panikmache!“, „Die Dosis macht doch das Gift!“, usw.

Süßkram macht süchtig

Vor einiger Zeit fanden Wissenschaftler heraus, dass der süße Geschmack ein höheres Potenzial hat, Suchtverhalten auszulösen, als eine Droge wie Kokain: Intense sweetness surpasses cocaine reward.

Auch der Kreislauf, über den Süßes zu Suchtverhalten führt, ist bekannt: Natural addiction: a behavioral and circuit model based on sugar addiction in rats.

Das Krasse an diesen Forschungsergebnissen: Das Suchtverhalten konnte auch mit einem künstlichen Süßstoff wie Saccharin hervorgerufen werden.

Auf Deutsch: Egal, welchen Süßstoff man nimmt, und wenn er noch so „harmlos“ ist, Süßkram mach süchtig.

Schlechte Nachrichten für „Xucker“, Stevia, und andere Zucker-Alternativen, egal wie „gesund“ oder „harmlos“ sie sind.

„Das sind doch alles nur Ratten-Versuche, wir Menschen sind doch viel schlauer!“, höre ich schon die Wissenschafts-Kritiker rufen. Sicher, sicher.

Was wenn nicht? Ehrlich gesagt, wenn ich mir die Leute auf der Straße, im Fernsehen und beim Bäcker anschaue, bin ich mir da nicht so sicher, ob wir in puncto Süß-Sucht den Ratten wirklich was voraus haben.

Ich sehe bei mir selbst, dass es einiges an Selbstdisziplin und den ein oder anderen Trick bedarf, die süße Versuchung zumindest ein wenig im Zaum zu halten.

Der erste Schritt: Beobachte Dich selbst

Daher bin ich dazu übergegangen, mich und andere erstmal aufmerksam zu beobachten.

Ohne Wertung, ohne Urteil.

Das Ziel: Mehr über sich selbst erfahren.

Und so geht’s:

Jedes Mal, wenn Du etwas isst, kannst Du Dich fragen:

  • Warum esse ich gerade das?
  • Wer hat ausgesucht, was ich esse?
  • Warum esse ich gerade jetzt? Ist das echter Hunger? Oder ist das nur ein kleiner Hunger zwischendurch?
  • Esse ich gerade Süßes? Wie süß?
  • Ist das, was ich esse, von sich aus süß (z. B. Früchte), oder habe ich Zucker/Süßstoff dazugegeben (z. B. in Kaffee/Tee)? Oder jemand anders? Warum?
  • Schmeckt das auch ohne Süße? Warum nicht?
  • Wenn das, was ich esse/trinke, nicht ohne Süße schmeckt, warum esse/trinke ich es überhaupt?
  • Was würde ich essen, wenn es gar keinen Süß-Geschmack gäbe?

Und so weiter.

Ich weiß: Das klingt wie eine kleine Inquisition. Aber das ist nicht der Punkt.

Vielmehr geht es bei diesen Fragen darum, etwas über sich selbst und das eigene Verhalten zu lernen. Mehr über sich zu erfahren.

Ohne Wertung. Ohne „gut“ oder „schlecht“. Ohne Urteil.

Ähnlich, wie ein Ingenieur mit der 5-Why-Methode nach einem Defekt sucht, kann man sich selbst immer weiter Fragen stellen, bis man seine eigene Beziehung zu Zucker, oder Süßem besser verstanden hat.

Vielleicht sind die Geschmacksnerven für „süß“ nur aus evolutionären Gründen (weil süße Dinge bis vor wenigen hundert Jahren Mangelware waren) besonders empfindlich?

Vielleicht sind sie daher versehentlich zu einer Art Abkürzung in das Belohnungssystem des Hirns geraten? Eine Hintertür, ein „Hack“?

Vielleicht ist ein Leben mit weniger Süßkram (egal, ob Zucker, Süßstoff, Stevia & Co.) einfach spannender, abwechslungsreicher und selbst bestimmter?

Ohne Abkürzung über die Süß-Nerven in das Belohnungssystem. Ohne Schummeln. Ohne „Hack“.

Wie gehst Du mit Deinem Süß-Empfinden um?

Quellen:

[1]
Lenoir M, Serre F, Cantin L, Ahmed SH: Intense sweetness surpasses cocaine reward., 2007
[2]
Hoebel BG, Avena NM, Bocarsly ME, Rada P: Natural addiction: a behavioral and circuit model based on sugar addiction in rats., 2009


Photo: „smiling woman holding pack of food inside grocery store“ von Unsplash-User frankie cordoba, genutzt unter der freien Unsplash-Lizenz.

Von Constantin Gonzalez am 10.10.2018, aktualisiert: 14.10.2018 in Allgemein.


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Mit der Paleo-Ernährung (oder: „Paleo-Diät“) bin ich heute 18 kg leichter und fitter als je zuvor. Jetzt wandle ich mich vom Couch-Potato zum Athleten. Das hätte ich als klassischer „Geek“ nie gedacht!

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