Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

26.02.2014, aktualisiert: 19.12.2016 | Kommentare

Ist Stevia eine gute Alternative zu Zucker? (Mit Schokoladen-Verlosung)

Stevia-Blätter

Ich bin kein Fan von Zucker und schon gar nicht von alternativen Süßmitteln, die das Problem auch noch verschlimmern. Der beste Weg ist für mich immer noch, sich schlicht den übertriebene Drang nach Süßem schrittweise abzugewöhnen, und dann die natürliche Süße von Früchten oder kleine Mengen von Honig oder anderen natürlich süße Speisen zu genießen.

Die schiere Menge von Kommentaren unter den oben verlinkten Artikeln sowie zahlreiche Zuschriften sagen mir jedoch, daß es einen großen Bedarf an Zucker-Alternativen gibt. Kein Wunder, daß die Lebensmittel-Industrie sich immer wieder neue Süßungsmittel mit teilweise fraglicher Herkunft ausdenkt.

Ein Süßstoff, der einen besseren Ruf genießt als industrielle Süßmacher ist Stevia. Genauer gesagt handelt es sich dabei um natürliche Steviolglykoside, die aus der Stevia-Pflanze gewonnen werden.

Zu diesem Thema freut es mich, Euch die Gast-Autorin Sylvia Simmons vorzustellen, die mit ihrer Firma bio-so-suess.de Bio-Schokoladen herstellt, die zuckerfrei mit Stevia gesüßt werden. Sie hat für Euch den folgenden Gast-Artikel geschrieben:

Stevia, die Alte Neue Süße

Stevia rebaudiana Bertoni, kurz Stevia genannt ist eine subtropische Pflanze die zur Familie der Sonnenblumen gehört. Beheimatet ist die blattreiche Pflanze vor allem in Paraguay und den Nachbarländern Argentinien und Brasilien. Sie wächst als Staude im Gebiet der Amambai-Bergkette im paraguayisch-brasilianischen Grenzgebiet.

Die stark süßende Wirkung ist den Ureinwohnern seit Jahrhunderten bekannt. Die Guarani-Indianer nennen es ka’a he’e (Süßkraut). Steviablätter werden traditionell seit über 500 Jahren von der indigenen Bevölkerung Paraguays und Brasiliens bei der Zubereitung von Speisen, Getränken und als Heilpflanze verwendet.

Die Blätter der Stevia können ausserdem pur gegessen werden und entwickeln beim Kauen einen angenehmen und intensiven süßen Geschmack. Indem man die Pflanzenblätter wie Tee brüht und einen Aufguss zubereitet lösen sich die süßen Komponenten der Pflanze – Steviolglykoside – aus der Pflanze.

Steviolglykoside haben eine 200 bis 300 mal stärkere Süßkraft als Zucker. Dabei haben Stevia und die Steviolglycoside keine Kohlenhydrate, sind praktisch kalorienfrei, haben einen positiven Einfluß auf den Blutzuckerspiegel und erzeugen kein Karies, sondern wirken antibakteriell und beugen daher Karies vor. [1], [2], [3], [4].

Auch heute gibt es in Paraguay und Brasilien zahlreiche Stevia Produkte gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Leiden.

Gegenstimmen

Es gibt aber auch Stimmen, die Stevia ablehnen. Zum einen wird der Geschmack oft als lakritzig oder gar bitter empfunden. Oder es wird behauptet, Stevia wäre empfängnisverhütend (siehe hierzu: [5] oder unter [6]).

Sarah Ballantyne hat verschiedene Studien zusammengetragen und kommt zu dem Schluss, Stevia nicht zu verwenden. Laut der von Ihr aufgeführten Studien hat es einen senkenden Einfluß auf unterschiedliche Hormone, so eben auch Östrogen und Testosteron. Siehe auch: [7].

Allerdings: Nach einer Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vom 14. April 2010 geht die Behörde davon aus, dass Stevia weder genotoxisch noch krebserregend ist und auch keine negativen Auswirkung auf die Fruchtbarkeit und Fortpflanzungsorgane des Menschen hat. [8]

Eine Studie vom Jahr 2008 berichtete von Untersuchungen mit Stevia-Extrakten an Tieren und Menschen und schlussfolgerte, dass Steviosid und Rebaudiosid A (Steviolglycoside) nicht genotoxisch sind, weder in vitro noch in vivo, und dass die Genotoxizität von Steviol und einigen seiner Derivate, die sich in vitro zeigen, in vivo nicht auftreten. Die Studie fand auch keinen Nachweis einer krebserzeugenden Wirkung. [9]

Eine andere Studie weist auf einen möglichen positiven gesundheitlichen Nutzen hin, den Stevioside bei Patienten mit Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes haben können, allerdings wären weitere Studien erforderlich, um die genaue Dosierung zu erforschen. [10]

Getrocknete Stevia-Blätter waren eines der ersten Produkte, für die 1997 ein Zulassungsantrag nach der damals neuen Novel Food-Verordnung eingereicht wurde.

Im November 2011 wurden Extrakte aus Stevia als Zusatzstoff (Süßstoff) in der EU erlaubt, nachdem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Sicherheit der Stevia- Extrakte bewertet hatte. Ihr Verzehr gilt als gesundheitlich unbedenklich, wenn eine tägliche Aufnahmemenge (ADI) von 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten wird – Eine Menge von 4 mg/kg Körpergewicht würde bei einem Mann mit 80kg einer täglichen Verzehrmenge von fast 7 Tafeln Schokolade bedeuten. Ich glaube, da wird nicht der Verzehr von Stevia zum Problem :).

In den USA sind Stevia-Süßstoffe seit 2008 zugelassen. Die FDA hat 2012 Steviolglycosid Reb A den GRAS-Status (Generally Recognized As Safe) erteilt.

Herstellung

Steviolglycoside (Süßstoff E 960) werden aus den Blättern des Stevia-Strauches extrahiert. Den Blättern wird Wasser entzogen, anschließend werden die Süßstoffe gereinigt und gefiltert. Man gießt hierzu die Blätter mit Wasser auf und mischt Salze unter. Dabei fallen - der Schritt heisst darum auch Fällung - alle die Stoffe als Flocken nach unten, die man nicht will.

Durch Abpressen werden nun die Flocken von der Flüssigkeit getrennt. Man hat eine klare Flüssigkeit mit Steviolglycosiden. In guten Anlagen nimmt man hierzu wie auch bei der Wasseraufbereitung Calciumhydroxid, also Kalk oder Aluminiumsulfat.

Nun muss, wie beim Trinkwasser auch, im nächsten Schritt das Salz entfernt werden. Dazu nimmt man in beiden Fällen Ionenaustauscher. Zur Extraktion: in der Vergangenheit konnte man in der Literatur ([11]*) lesen, üblich hergestellte Steviol Glycoside würden chemisch gebleicht, der weissen Farbe wegen. Das ist nicht richtig. Wenn Sie sich bei der Fällung bereits Zeit nehmen und diese ordentlich durchführen, bekommen Sie eine fast transparente Lösung, aus der Sie nach dem Eindampfen beige Steviolglycoside erhalten. Je öfter Sie Aufreinigungsschritte durchführen, desto reiner wird der Süßstoff und je mehr verliert er zwangsläufig auch an Farbe.

Adsorberharze (immer wieder zu lesen) sind vereinfacht gesagt, nichts weiter als Ionenaustauscher. Es ist ein ähnliches Kunststoffmaterial das nach dem gleichen Prinzip eingesetzt wird: Ionen bestimmter Ladung zu trennen. Nur bindet man hier nicht das Material, welches man im Endprodukt nicht will, sondern meist das REB-A, um dessen Anteil im Süßstoff anzureichern.

Es ist nicht so, dass es zur Gewinnung der Steviolglycoside ein einziges Verfahren / Methode gäbe. Es sind vielmehr verschiedene bekannte einzelne Verfahrensschritte, die man an bestimmten Punkten der Prozessreihe anwendet, oft auch mehrmals. Man schaut, was man bereits für ein Ausgangsmaterial hat - welches Endprodukt man will, wählt und optimiert dann diese Schritte entsprechend.

Wir beziehen unsere Auszüge aus den Blättern (Steviolglycoside) – am liebsten Rebaudiosid A, weil es am süßesten schmeckt – unter anderem aber nicht ausschließlich von der Firma Med Herbs. Für Privatverzehr ist das aber sicher eine ausgezeichnete Adresse. Die Stevia-Pflanzen werden in Frankreich extrahiert, einfach um dort jederzeit reinschauen zu können, um dann zu sehen, wie die Extraktionsschritte mit welchen Hilfsstoffen ablaufen. MedHerbs bietet auch als einer von 3 zugelassenen Anbietern Bio-Steviablätter an.

Stevisana-Schokolade
Wir als Schokoladenhersteller sind Mitglied im Stevia-Netzwerk, das seit ca. 1 Jahr existiert. Wir arbeiten hier an einer Menge Projekte. Es geht zum einen um Öffentlichkeitsarbeit, vor allem die Aufklärung über Stevia, um Lobbyarbeit, um Stevia endlich die adäquate Anerkennung auf dem europäischen Lebensmittelmarkt zu gewähren aber auch um praktische Dinge, wie die Entwicklung von bio-tauglicher Extration von Steviolglycosiden oder Rezepturen für Schokoladen oder Tees, die mit Stevia gesüßt sind.

Stevisana bietet 2 Linien Stevia-Schokoladen an. Eine davon ist mit 99% Kakao und nur mit Auszügen aus der Steviapflanze (Steviolglycosid) gesüßt. Diese bieten wir an in den Sorten: Pur, Mandel, Cranberry, Orange, Chili und ganz neu: Minze und Kaffee.

Die andere Linie, unsere Milden bieten wir an in Zarbitter, Vollmilch und Weisse Schokolade. Zutaten und Nährwerte unserer Schokoladen haben wir in unserem Shop veröffentlicht, unter www.bio-so-süss.de. Hier kann man unsere Schokoladen selbstverständlich auch bestellen.

Unsere Zarbitter Stevia Schokoladen sind ohne Zucker oder sonstige Zuckeraustauschstoffe handgeschöpft und somit geeignet für Diabetiker, für ketogene Ernährung und Paleo- Ernährung.


Verlosung

Sylvia war so nett und hat mir drei Doppelpacks Steviasana Schokolade geschikt: Jeweils einmal Stevisana Zartbitter Pur (99%) und einmal Stevisana Zartbitter Cranberry 99%.

Jeweils eine Packung „Zartbitter Pur“ und „Zartbitter Cranberry“ werden jetzt an drei glückliche Gewinner verlost:

  • Bitte schickt mir bis zum Sonntag, den 9. März, 12:00 Uhr Mittags eine Mail und schreibt mir dort Eure Erfahrungen zum Thema Stevia bzw. anderen Zucker-Alternativen.
  • Unter allen Einsendungen werden per Zufallsgenerator 3 glückliche Gewinner ausgelost und benachrichtigt.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ist Stevia „Paleo“?

Natürliche Stevia-Blätter sind sicher „Paleo“, im Sinne von „kommt in der Natur wie jedes andere Kraut vor“. Je nach Verarbeitung kann man sich darüber streiten, ob auch die extrahierten Steviolglykoside „noch Paleo“ sind, oder als industriell verarbeiteter Stoff gewertet werden sollten.

Wichtiger für mich ist eher, daß die Studienlage für Stevia im Moment recht positiv ist: Wer mit Stevia in haushaltsüblichen Mengen süßt, verwendet einen Stoff, den die Natur herstellt und der nach aktuellen Erkenntnissen unbedenklich ist. Besser als Zucker ist das allemal.

Als ich mir selbst den Zucker abgewöhnt habe, habe ich zuerst nur einen Löffel Zucker in den Espresso genommen, dann einen halben Löffel, dann eine Stevia-Tablette und zum Schluß gar nichts mehr. Stevia hat mir also als „Ersatzdroge“ geholfen, vom Zucker wegzukommen, auch wenn ich heute gar kein Stevia mehr nehme.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Stevia gemacht? Schreibt uns Eure Meinung in die Kommentare!

Quellen

[1]
Abudula R, Jeppesen PB, Rolfsen SE, Xiao J, Hermansen K: Rebaudioside A potently stimulates insulin secretion from isolated mouse islets: studies on the dose-, glucose-, and calcium-dependency., 2004
[2]
Abudula R, Matchkov VV, Jeppesen PB, Nilsson H, Aalkjaer C, Hermansen K: Rebaudioside A directly stimulates insulin secretion from pancreatic beta cells: a glucose-dependent action via inhibition of ATP-sensitive K-channels., 2008
[3]
Gregersen S, Jeppesen PB, Holst JJ, Hermansen K: Antihyperglycemic effects of stevioside in type 2 diabetic subjects., 2004
[4]
Gamboa F, Chaves M: Antimicrobial potential of extracts from Stevia rebaudiana leaves against bacteria of importance in dental caries., 2012
[5]
Unknown title
[6]
Unknown title
[7]
Planas GM, Kucacute J: Contraceptive Properties of Stevia rebaudiana., 1968
[8]
Unknown title
[9]
Brusick DJ: A critical review of the genetic toxicity of steviol and steviol glycosides., 2008
[10]
Ulbricht C, Isaac R, Milkin T, Poole EA, Rusie E, Grimes Serrano JM, Weissner W, Windsor RC, Woods J: An evidence-based systematic review of stevia by the Natural Standard Research Collaboration., 2010
[11]
Barbara Simonsohn: Stevia. Sündhaft süß und urgesund: Eine Alternative zu Zucker und Süßstoffen. Das süße Kraut für Genießer und Gesundheitsbewußte. Mit Erfahrungsberichten und vielen Rezepten, 2000*

Mehr Informationen gibt es auch im Wikipedia-Eintrag zu Stevia.

Buchtipp


Bilder: Steviablätter von Pixabay-User Flyingbikie. Die Stevisana-Schokolade wurde von Constantin Gonzalez fotografiert.


*: Amazon Affiliate-Link: Kauf’ Dich schlank und unterstütze dabei Paleosophie mit einer kleinen Prämie. Wir beide gewinnen!

Von Constantin Gonzalez am 26.02.2014, aktualisiert: 19.12.2016 in Grundlagen.


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