Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

Die Frage nach dem Warum

Ein Wald mit Bäumen und Fragezeichen darauf

Gute Vorsätze werden oft spontan gefasst: Schlank werden, mehr Sport treiben, ein Hobby anfangen.

Genauso schnell verfliegen die gut gemeinten Vorhaben wieder.

Ihnen fehlt nämlich etwas Bleibendes. Etwas, das uns langfristig motiviert.

Keine Rezepte oder Turnschuhe oder Ausrüstungen oder Zubehör.

Das, was oft fehlt, steckt tief in uns drin: Das Warum.

Erst wenn wir uns über unser Warum im Klaren sind, können wir anfangen, daraus echte und bleibende Veränderungen zu machen.

Vielleicht hast Du am Jahresanfang ein paar gute Vorsätze für Dich formuliert und Du bist fleißig dabei, sie konsequent umzusetzen?

Herzlichen Glückwunsch! Du gehörst zu einem exklusiven Kreis von Elite-Veränderern!

Vielleicht hast Du Deine guten Vorsätze inzwischen aus den Augen verloren?

Das ist auch O.K. Kein Grund, Dich schlecht zu fühlen.

Das bedeutet nur, dass Deine guten Vorsätze nicht richtig zu Dir passen, oder Du keinen richtigen Zugang zu Deinen guten Vorsätzen gefunden hast.

Vielleicht waren sie Dir nicht wichtig genug?

Oder sie sind Dir vielleicht nur oberflächlich wichtig, aber im Inneren spürst Du: Da stimmt was nicht?

Diesem Aspekt von guten Vorsätzen wollen wir nun auf den Grund gehen. Was nützen Dir gute Vorsätze, wenn sie Dir nicht wirklich wichtig sind?

Die meisten Vorsätze sind nur oberflächlich

Das ist das Stichwort: Oberflächlich. Denn die meisten Vorsätze befassen sich nur mit dem Äußeren: Ein paar Kilo abnehmen, einen Sixpack aufbauen, soundsoviel Kilo stemmen, einen Marathon laufen, was auch immer.

Die Oberfläche berührt uns aber nicht: Sie ist vielleicht gut anzusehen, man kann damit andere beeindrucken, sie sagt aber nichts über Dein Inneres aus.

Dennoch werden wir in unserer Gesellschaft ständig mit Oberflächlichkeiten bombardiert: 180 Paleo-Rezepte! (Ja, ich bin hier nicht unschuldig) Sixpack in 12 Tagen! 33 CrossFit-Workouts die Dich zum Weinen bringen!

Sicher: Die Rezepte sind gut uns machen tatsächlich schlank, gesund und fit. Und auch hinter dem Sixpack-Programm oder den CrossFit-Übungen steckt oft einiges an professionellem Fachwissen. Trotzdem sind sie kein Garant dafür, uns langfristig zu motivieren.

Ein Schritt näher: Das Wie

Besser ist es, nach dem Wie zu fragen: Wie genau machen die Rezepte schlank? Wie funktioniert das Training und was stellt es im Körper an? Wie kann man seine Ziele besser, angenehmer, schneller erreichen?

Vor allem Intellektuelle fühlen sich durch das „Wie“ angesprochen. Sie sind neugierig nach dem Mechanismus, der hinter den Kulissen dafür sorgt, das etwas funktioniert.

Doch auch das reicht nicht: Ist das Wie erstmal entschlüsselt, verliert es seinen Reiz. Dann sucht sich die oder der Neugierige ein anderes „Wie“, dass erforscht werden will und das Spiel geht von Neuem los.

Der Kern der Motivation: Das Warum!

Dabei ist der Kern von Motivation ganz einfach, ja offensichtlich: Es ist die Frage nach dem Warum.

  • Warum möchtest Du schlank werden?
  • Warum willst Du Muskeln aufbauen?
  • Warum einen Marathon laufen?
  • Warum wünschst Du Dir X?

Diese Fragen klingen einfach, können aber tiefgründige Denkprozesse auslösen, wenn man sie etwas gründlicher analysiert.

Wie das geht? Mit etwas Achtsamkeit, also indem man sich länger selbst beobachtet und indem man immer wieder nach dem Warum fragt.

Stellt man sich selbst die Frage nach dem Warum hinter einem persönlichen Ziel (oder Vorsatz), können dabei neue Fragen zum Vorschein treten:

  • Welche Art Person möchtest Du sein?
  • Für wen möchtest Du X erreichen?
  • Warum berührt Dich dieses Ziel besonders?
  • Was möchtest Du Dir beweisen?
  • Warum willst Du A erreichen und nicht B?

Auch wenn Du dieses Jahr keine Vorsätze für Dich gefasst hast oder wenn die Saison der guten Vorsätze längst vorbei ist, ist es spannend, mehr Achtsamkeit zu üben, Dich selber zu beobachten und für Dich Warum-Fragen zu stellen:

  • Warum hast Du heute X getan?
  • Warum hast Du Dich gegenüber einer Person so verhalten?
  • Warum hast Du Dich für A und nicht B entschieden?

Fünfmal Warum: Ein erprobter Weg zu mehr Klarheit

Vielleicht reicht die erste Antwort auf eine Warum-Frage nach Deinem Ziel nicht aus. Dann kannst Du eine bewährte Methode aus der Industrie ausprobieren: Toyoda Sakichi, der Gründer von Toyota soll diese Methode erfunden haben, um Fehler bei der Produktion zu erkennen. Die Methode heißt: „5-Why-Methode“, also „Fünf mal warum“.

Dabei fragt man immer wieder „Warum“ wie ein kleines Kind, bis man den Kern des Problems, des Fehlers oder dessen, was man erreichen möchte gefunden hat.

Das dauert erfahrungsgemäß etwa 5 mal, daher der Name.

Ein Beispiel:

  • Warum möchtest Du schlank sein? Weil das besser für mich ist.
  • Warum ist schlank sein besser für mich? Weil schlanke Menschen gesünder leben.
  • Warum möchtest Du gesünder leben? Weil ich mich wohler fühlen will und weniger krank sein möchte.
  • Warum willst Du Dich wohler fühlen? Weil ich dann mein Leben besser genießen kann.
  • Warum willst Du das Leben genießen? Weil ein schönes und genussvolles Leben für mich mehr Sinn ergibt.

Deine Antworten können natürlich anders sein, dies ist ja nur ein Beispiel.

Aber man sieht hier sehr schön, dass das Warum-Fragen hilft, den Kern eines eher oberflächlichen Wunsches (nämlich schlank zu sein) freizulegen: Im Beispiel geht es schließlich darum, dem eigenen Leben einen höheren Sinn zu geben!

Warum die Frage nach dem Warum?

„Wozu das ganze Theorie-Gehabe?“, werden sich jetzt einige fragen. Erst ein langer Artikel über Achtsamkeit, Dinge aufschreiben usw. und jetzt ein weiterer Artikel ohne Rezept, sondern mit der Frage nach „Warum“, was soll das?

Ganz einfach: Ich will nicht, dass Du Deine Zeit verschwendest.

Vorsätze fassen und dann ein paar Wochen versuchen, diese mehr oder weniger motiviert umzusetzen, um dann aufzugeben ist Zeitverschwendung.

Auch wenn das mittlerweile zum Neujahrsritual vieler gehört, ist das keine Hilfe für Dich.

Viel besser ist es, sich selbst erstmal kennenzulernen und dann herauszufinden, was man wirklich will und vor allem warum.

Wenn man den Kern des „Warum“ gefunden hat, hat man auch die Quelle der Motivation gefunden: Dann ist es viel einfacher, seine Lebensgewohnheiten nachhaltig zum Besseren zu verändern.

Das ist besser als jeder gute Vorsatz.

Mit mehr Achtsamkeit bekommst Du einen Blick für Dich selbst. Mit der Frage nach dem Warum erfährst Du, was Du wirklich willst. Und dann kommt die Motivation wie von selbst.

Warum, wie, was: Ein bewährtes Rezept

Die Idee, nach dem Warum zu fragen, um die Motivation hinter einer Sache zu finden stammt nicht von mir. Sie wurde vom Unternehmensberater Simon Sinek popularisiert, der die drei Faktoren „Warum“, „Wie“, „Was“ als „goldenen Kreis“ bezeichnete und anhand dieses Modells erklärte, was Menschen dazu motiviert, bestimmte Dinge zu kaufen, bestimmte Ideen zu unterstützen oder Pionierleistungen zu vollbringen. In seinem Buch „Frag immer erst: Warum“ („Start With Why“) machte er diese Idee weltweit bekannt.

Wer Englisch versteht, findet vielleicht seinen mittlerweile sehr bekannten Vortrag Start with why – how great leaders inspire action interessant:

(Deutsche Untertitel sind über die YouTube-Übersetzungsfunktion verfügbar)

Was für Führungskräfte, Marketing-Strategen und die Armee funktioniert, funktioniert auch für Dich! Also geht es jetzt an die Praxis.

So geht’s: Finde Dein Warum!

Egal, ob Du Deine Vorsätze fest im Griff hast oder Deine Vorsätze für das neue Jahr schon längst vergessen sind. Egal ob am Anfang, in der Mitte oder am Ende des Jahres: Es lohnt sich immer, sich für nur eine halbe Stunde allein hinzusetzen, in sich hineinzuhorchen und die Frage nach dem Warum zu stellen.

Und so geht’s:

  1. Finde einen Platz und eine Zeit, in der Du mindestens eine halbe Stunde ungestört, aber gemütlich nachdenken kannst. Ein Café oder Dein Sofa, vielleicht.
  2. Schreib auf, was Du Dir für Dich selbst wünschst. Ganz spontan: Gute Vorsätze, persönliche Ziele, Wünsche und so weiter.
  3. Nimm für jeden Wunsch oder für jedes Ziel ein neues Blatt oder eine neue Seite und schreib Dein Ziel ganz oben als Überschrift auf. Z. B.: „Schlanker werden“, oder „Einen Marathon laufen“ oder „Stress abbauen“.
  4. Frag Dich jetzt: Warum? Schreib die Antwort auf, die Dir als wichtigster Grund für Dein Ziel einfällt.
  5. Frag nochmal: Warum? Und schreibe wieder Deine Antwort auf. Und wieder und immer wieder.
  6. Irgendwann wirst Du merken, dass Du den Kern gefunden hast. Z. B. wenn Dir keine Antwort für „Warum?“ mehr einfällt.
  7. Denk jetzt über den Kern Deiner Antworten nach: Passt dieser Wunsch zu Dir? Was fühlst Du, wenn Du über Deinen Wunsch und das Warum dahinter intensiv nachdenkst? Ist das Dein innerster Wunsch, der Dich wirklich begeistert? Ohne den Du Dir Dein zukünftiges Leben nicht vorstellen kannst? Oder ist das eher so ein „Standard“-Wunsch? Etwas, das Du Dir vielleicht nur so ausgedacht hast oder Dir eingeredet wurde?

Irgendwann findest Du einen Wunsch oder ein Ziel, das so klar und so stark ist, dass Du alles dafür tun würdest. Dann hast Du Dein Warum gefunden!

Und für so einen Wunsch findest Du bestimmt einen Weg. Egal wie lange es dauert, oder wie schwierig es wird.

Bis Du diesen Lieblings-Wunsch erfüllt hast, kannst Du alle anderen Wünsche, Vorsätze etc. erstmal vergessen oder zumindest aufschieben.

Was ist Dein bester Wunsch? Dein wichtigstes Ziel? Dein wirklich echter Vorsatz, den Du mit allen Kräften umsetzen willst?

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Photo: „forest trees marked with question marks“ von Unsplash-User Evan Dennis, genutzt unter der freien Unsplash-Lizenz.


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Von Constantin Gonzalez am 05.02.2019 in Allgemein.


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Mein Name ist Constantin, Informatiker und seit 2008 beschäftige ich mich intensiv mit Ernährung, Gesundheit und aktueller Forschung dazu.

Mit der Paleo-Ernährung (oder: „Paleo-Diät“) bin ich heute 18 kg leichter und fitter als je zuvor. Jetzt wandle ich mich vom Couch-Potato zum Athleten. Das hätte ich als klassischer „Geek“ nie gedacht!

In Paleosophie geht es um Paleo-Ernährung, was dahinter steckt, wie sie funktioniert und um immer neue Möglichkeiten, das Beste aus Deinen Genen zu machen. Mehr…

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