Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

Zucker vermeiden, Teil 8: Süßstoffe, Zucker-Alternativen & Co – Sei lieber ehrlich zu Dir selbst

Bunte Kügelchen

Ich bekomme häufig E-Mails von Leserinnen und Lesern, die nach Süßstoffen fragen.

Wenn Zucker ungesund ist und man sich trotzdem nach dem süßen Geschmack von Zucker sehnt, sind Süßstoffe nicht eine gute Lösung?

Ich glaube, hinter dieser Frage stecken in Wirklichkeit zwei Fragen:

  1. Können Süßstoffe eine Alternative zu Zucker sein und wenn ja, welche?
  2. Angenommen, man hätte den „perfekten“ Süßstoff gefunden: Sollte man dann ungehemmt damit süßen?

Süßstoffe als Alternative zu Zucker

Es gibt viele Alternativen zu Zucker. Darunter sind auch einige, die als harmlos gelten:

  • Stevia ist eine natürliche Pflanze, deren Steviolglykoside 200 - 300 mal süßer sind als Zucker. Seit 2010 sind Steviolglykoside als Süßstoff in Europa zugelassen. Auch wenn Stevia eine natürliche Pflanze ist, ist das „Stevia“, das wir im Supermarkt kaufen das Ergebnis eines mehrstufigen, chemischen Extraktions- und Konzentrations-Prozesses.
  • Xylit kommt in geringen Mengen ebenfalls in der Natur vor, etwa in Beeren, Pflaumen oder in bestimmten Gemüsen. Das Xylit, das als Zuckeraustauschstoff vermarktet wird, wird jedoch mithilfe chemischer Prozesse aus Holz- und anderen Pflanzenfasern hergestellt.
  • Auch Erythrit kommt in der Natur vor, ebenfalls in Beeren oder Pflaumen aber auch in Pilzen. Die industrielle Herstellung basiert hier eher auf die Verarbeitung von Zuckern durch spezielle Pilze.
  • Aspartam ist zwar ein „künstlicher“ Süßstoff, besteht aber chemisch gesehen einfach nur aus zwei Aminosäuren, die miteinander verbunden sind. Es hat eine etwas umstrittene Geschichte. Auf der einen Seite kann man argumentieren, dass Aspartam vom Körper genauso verarbeitet wird wie jedes andere Protein, denn alle Proteine sind Ketten von Aminosäuren. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass bestimmte Proteine gerade wegen ihrer Zusammensetzung und Struktur auch unterschiedliche Wirkungen entfalten können. Im Moment sind sich jedoch die meisten Experten darüber einig, dass Aspartam für die meisten Menschen harmlos ist.

Ihr seht: Zuckeraustauschstoffe sind kompliziert, je nach dem, welche Ansprüche man an sie stellt. Will man, dass der Stoff auch in der Natur vorkommt? Ist es O. K., wenn er trotzdem chemisch hergestellt wird? Reicht es, wenn Wissenschaftler und Behörden davon überzeugt sind, dass der Stoff harmlos ist?

Hinzu kommt der Geschmack: Keiner dieser Stoffe schmeckt genauso wie Zucker. Jeder hat leicht andere Noten und daran muss man sich erst gewöhnen.

Egal, für welchen Zucker-Ersatz man sich entscheidet, halte ich die folgende Frage für wichtiger:

Warum ist es nötig, Speisen zu süßen?

Die Frage klingt ein wenig banal: „Na, weil es dann besser schmeckt!i“, könnte man antworten.

Dann frage ich dagegen: Warum schmeckt es denn ohne Zucker schlechter? Macht uns der Zucker hier nicht etwas vor?

Lässt man nämlich Zucker und Süßstoffe weg, bleibt oft nicht mehr viel übrig. Cola ohne Zucker ist gefärbtes, saures Wasser. Kuchen ohne Zucker schmeckt fade. Ein Pudding ohne Zucker ist eine glibberige Masse und so weiter. Noch Zweifel? Setzt Euren Kindern einfach mal ihrem Lieblingsnachtisch vor, diesmal aber ohne jeglichen Zucker. Deswegen wird Zucker in der Industrie gerne dazu verwendet, billige, oft minderwertige Zutaten mit wenig Nährwert „aufzuwerten“.

Zucker bzw. Süßstoff alleine ist auch keine Lösung: Dann hat man lediglich einen eindimensionalen Reiz für die Zunge. Es fehlt das Aroma.

Also ist der eigentliche, ehrliche Genuss einer Süßigkeit doch nur dann gegeben, wenn man es mit hochwertigen Zutaten zu tun hat, die nicht einfach nur „süß“ schmecken, sondern die tolle Aromen enthalten und nebenbei auch (nicht zu) süß schmecken. Das ist jedoch bei Zuckeraustauschstoffen eher nicht der Fall.

Besser wenig Süßes, aber dafür mit möglichst hoher Qualität und vor allem bewusst genießen. Am besten mit einer natürlichen Zucker-Quelle wie z. B. Früchten oder Honig.

Zum Schluss noch ein Wort zur Suchtwirkung von Zucker: Diese ist leider auch bei anderen Süßstoffen gegeben. Denn auch diese stimulieren das „Süß“-Zentrum im Gehirn, lösen dadurch einen Belohnungs-Reiz aus und können daher zu ähnlichen Suchterscheinungen führen.

Auf Deutsch: Auch alternative Süßstoffe können süchtig machen! Konkret haben das Wissenschaftler am Beispiel von Saccharin und Ratten nachvollzogen: Natural addiction: a behavioral and circuit model based on sugar addiction in rats..

Ersparnis: Spar Dir das Geld für alternative Süßstoffe und kauf Dir dafür lieber echtes Essen.

Gewinn: Wer auf Süßstoffe (ob künstlich oder nicht) verzichtet, gewinnt den ursprünglichen Geschmack seines Essens wieder. Und wenn das nicht gut schmeckt, iss was anderes, was besser schmeckt. Sehr oft ist das dann auch das bessere Essen.


Photo: "Close up of adorable rainbow colored candy sprinkles." von Unsplash-User Sharon McCutcheon, genutzt unter der freien Unsplash-Lizenz.

Von Constantin Gonzalez am 18.06.2020 in Zucker.


Hat Dir dieser Artikel gefallen? Dann:

Passende Artikel zum Weiterlesen:

Mehr spannende Paleo-Artikel findest Du täglich neu auch auf Paleo-Planet, dem deutschen Paleo-Blog-Aggregator.


Werbung


Kommentare

Hey, danke, dass Du kommentieren möchtest! Aber bitte denk daran: Wir sind keine Höhlenmenschen mehr. Also lass Deine Keule zuhause und denk an die folgenden drei Dinge, bevor Du einen Kommentar schreibst: 1. Lies den Artikel. 2. Denk nach. 3. Schreib was Nützliches. Danke!

Willkommen!

Mein Name ist Constantin, Informatiker und seit 2008 beschäftige ich mich intensiv mit Ernährung, Gesundheit und aktueller Forschung dazu.

Mit der Paleo-Ernährung (oder: „Paleo-Diät“) bin ich heute 18 kg leichter und fitter als je zuvor. Jetzt wandle ich mich vom Couch-Potato zum Athleten. Das hätte ich als klassischer „Geek“ nie gedacht!

In Paleosophie geht es um Paleo-Ernährung, was dahinter steckt, wie sie funktioniert und um immer neue Möglichkeiten, das Beste aus Deinen Genen zu machen. Mehr…

Wenn Dir die Artikel, Tipps und Rezepte hier weiter geholfen haben, dann schick’ mir eine Mail mit Deinen Erfahrungen und mach' mit!

In den Kommentaren, als Feedback per Mail, mit einer Spende oder mit Deiner Weiterempfehlung:

Vielen Dank!

Paleo für’s Ohr

Neu: Paleosophie gibt's jetzt auch als Paleosophie-Podcast in iTunes für Deinen iPod! Jetzt in iTunes abonnieren, oder den Paleosophie Podcast-Feed nehmen. Viel Spaß beim Anhören!

Podcast anhören

Empfehlungen

Social Media International

Von Friederike Gonzalez.

Social Media International

ME Improved

Von Sascha Fast.

ME Improved

Urgeschmack

Von Felix Olschewski.

Urgeschmack

Echt Fett

Von Robert Schönauer.

Echt Fett

Edition nm

Von Monica Schlatter und Nadja Reinmann.

Edition nm

Paleo Planet

Die neuesten Artikel deutscher Paleo-Blogs.

Paleo Planet

Zenstoff

Shirts & mehr bedruckt mit Zen, Liebe und Humor

Zenstoff


Copyright © 2020 – Constantin Gonzalez – Einige Rechte vorbehalten
Wichtiger Hinweis zu Gesundheits-Themen: Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte Ihren Arzt. Wer die Informationen auf dieser Webseite für sich anwendet, tut dies in eigener Verantwortung. Die Autoren beabsichtigen nicht, Diagnosen zu stellen oder Therapieempfehlungen zu geben.
Haftungssausschluß: Die Informationen auf dieser Webseite sind nicht als Ersatz für professionelle therapeutische Hilfe bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen zu verstehen. Die Autoren können keinerlei Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte übernehmen.
Diese Seite benutzt Google Analytics, Alexa, Feedburner, Disqus, Flattr, PayPal und möglicherweise andere Web-Dienste, soziale Netzwerke und Tracking-Technologien.
Weitere Informationen dazu stehen im Impressum und in der Datenschutzerklärung.
Durch Nutzung dieser Seite erklären Sie sich damit einverstanden, die Autoren für keinerlei Folgen haftbar oder verantwortlich zu machen.

Diese Seite wird mit Python, Jinja2, Bootstrap, Bootswatch, Glyphicons und Font Awesome erzeugt, bei Amazon S3 bereitgestellt und über Amazon CloudFront verteilt.