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Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

31.07.2015, aktualisiert: 01.08.2015 | Kommentare

Earthing: Neuer Trend mit elektrischer Erdung

Barfuß auf Erde

Eine neue Theorie macht die Runde. Dabei geht es um „Erdung“: Der elektrische Kontakt zur Erde soll Spannungspotenziale ausgleichen und dadurch verhindern, dass überschüssige elektrische Ladungen im Körper wichtige Stoffwechselprozesse stören.

Was ist dran?

Eine Leserin machte mich neulich auf das Thema aufmerksam: „Earthing“ oder „Grounding“ heißt die neue Theorie. Ich hatte vorher schon in Mark Sisson’s Buch Primal Connection: Follow Your Genetic Blueprint to Health & Happiness (Sustainable Agriculture)* darüber gelesen, das Thema aber eher psychosomatisch verstanden und nicht richtig ernst genommen. War das ein Vorurteil von mir?

Worum geht es bei Earthing, Grounding und Co.?

Im Physikunterricht in der Schule lernen wir, worum es bei elektrischer Ladung geht: Vereinfacht gesehen sind Atome aus Elektronen, Protonen und Neutronen zusammengesetzt. Elektronen tragen negative elektrische Ladung in sich, Protonen positive Ladung und Neutronen sind, wie der Name schon sagt, elektrisch neutral.

Elektronen sind beweglich, während Atomkerne (aus Protonen und Neutronen bestehend) eher fest an Ort und Stelle im atomaren Gefüge der Dinge stehen. Sind in einem Gegenstand Elektronen im Überschuss vorhanden, ist er negativ geladen, herrscht ein Mangel an Elektronen, dann haben wir es mit positiver Ladung zu tun.

Wird ein negativ geladener Träger (also irgendwas mit Elektronen-Überschuss) über einen elektrischen Leiter (z. B. ein Draht) mit einem Ladungsträger verbunden, der weniger negative elektrische Ladung in sich trägt, also positiv geladen ist (Elektronen-Mangel), dann fließt elektrischer Strom (Elektronen), bis die Ladungen sich ausgeglichen haben.

Man sagt, dass der Strom vom Pluspol zum Minuspol fließt, was rein rechnerisch korrekt ist, aber in Wirklichkeit fließen negativ geladene Elektronen vom Minuspol zum Pluspol.

Überall, wo elektrischer Strom verwendet wird ist es nützlich, wenn man überflüssige Elektronen „loswerden“ kann, die sich aus verschiedenen Gründen ansammeln können. So wie jede Straße eine Kanalisation hat, in der überflüssiges Abwasser abfließen kann, hat jede elektrische Schaltung eine „Erde“: Ein Ort, in den alle Elektronen hinfließen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. In der Regel ist das der Minuspol einer Batterie oder einer Stromversorgung.

Der Minuspol einer Schaltung kann oft nur begrenzt Elektronen aufnehmen. Daher ist es für elektrische Schaltungen besser, eine echte Erde zu haben und diese mit dem Minuspol zu verbinden. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Der Minuspol der Schaltung wird dabei über einen elektrischen Leiter mit Mutter Erde verbunden. Das können die sichtbaren Kontakte oben und unten an einer Schuko-Steckdose sein, ein Stück Metall an einem Haus, das in der Erde vergraben ist, oder eine Wasserleitung.

So funktionieren auch Blitzableiter: Das sind nichts anderes als Metallstangen, die vom Dach in den Boden führen und elektrische Blitze kontrolliert in die Erde ableiten, damit deren überschüssige elektrische Energie gefahrlos abfließen kann.

Was hat das mit Menschen zu tun?

Der Mensch ist keine elektrische Schaltung, aber auch beim Menschen spielt elektrischer Strom eine wichtige Rolle: Neuronen im Gehirn tauschen Informationen über elektrischen Strom aus, Nerven übermitteln Sinneseindrücke über elektrischen Strom und bei vielen anderen Prozessen spielen elektrische Vorgänge eine Rolle oder werden Ladungen ausgetauscht.

Auch beim Menschen kann es vorkommen, dass sich Ladungen aufbauen. Als Kind habe ich im Winter (trockene Luft, also kein guter elektrischer Leiter) meine Pantoffeln mit Gummisohlen auf dem Kunststoff-Teppichbelag gerieben, bis ich genug elektrische Ladung angehäuft hatte, um mit meinem Finger einen kleinen Funken elektrischer Ladung zum Ärger meines kleinen Bruders abzugeben. Ähnliche Scherze kann man mit Luftballons, Haaren, Katzenfellen etc. anrichten.

Soweit, so gut so harmlos. Oder nicht?

Erdung als biologischer Mechanismus

Earthing-Forscher behaupten nun, dass eine regelmäßige Erdung des menschlichen Körpers wichtig ist, um biologische Prozesse zu unterstützen und um negative Effekte auf die Gesundheit zu vermeiden. So wie elektrische Schaltungen besser funktionieren, wenn sie richtig geerdet sind (kein Brummen im Lautsprecher, besserer Empfang, usw.), so soll der Mensch besser leben, wenn er sich regelmäßig erdet.

Der evolutionäre Blick verrät gleich, dass hier mit der Zivilisation ein Defizit aufgekommen ist:

  • Der Urmensch ist barfuß oder mit leichten Leder- oder Fell-Mokassins durch die Natur gelaufen und hat auf dem Boden geschlafen, so dass er regelmäßig und lange Kontakt zur Erde hatte, also gut geerdet war.
  • Der Zivilisations-Mensch dagegen arbeitet den ganzen Tag in Büros, die weit weg von der Erde sind und trägt dabei Schuhe mit Gummisohle, die ihn gegen den Boden isolieren.
  • Zusätzlich gibt es in der modernen Zivilisation jede Menge elektrische Geräte, die zum Aufbau von elektrischer Ladung führen können: Der Mensch wirkt dabei als Antenne und kann dann elektrische Ladung aus elektromagnetischen Wellen aufnehmen.

Ist das wirklich relevant?

Antikes Schild aus den Anfangszeiten der Glühbirne

Wir alle wissen schon aus der Schule, dass kleine elektrische Spannungen und Ströme harmlos sind. Auch Radiowellen gibt es seit über Hundert Jahren und diese sind ebenfalls harmlos, wenn man nicht gerade regelmäßig auf der Antenne Mittagsschlaf hält.

Aber können kleine, aber dauerhaft wirkende Mengen überschüssiger elektrischer Ladung für die Gesundheit schädlich sein? Braucht der Mensch wirklich eine regelmäßige Erdung, wie ein Radio?

In Earthing: health implications of reconnecting the human body to the Earth's surface electrons haben Wissenschaftler verschiedene Studien zusammengetragen, die diese Frage untersuchen.

Die darin vorgestellten Experimente scheinen sorgfältig, objektiv und messbar durchgeführt worden zu sein. Die Bandbreite der dabei beobachteten positiven Effekte ist erstaunlich: Probanden, die regelmäßig geerdet wurden berichteten gegenüber ihren nicht geerdeten Vergleichspersonen über messbar besseren Schlaf, zeigten verbesserte Cortisol-Werte, hatten weniger Schmerzen, niedrigere Entzündungs-Werte im Blut, verbesserte Immun-Funktionen, Linderung von Streß-Symptomen, verbesserte Blutzucker-Regulierung und noch mehr.

Regelmäßige Erdung, am besten im Schlaf, scheint wirklich nicht verkehrt zu sein.

Der Wermutstropfen: Die Autoren der o.g. Meta-Studie verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von Erdungs-Büchern, Erdungs-Matten und anderen Erdungs-Produkten. So kann man unter der Marke Earthingz. B. Bettlaken, Yoga-Matten und „Starter-Kits“ kaufen.

Nervig ist auch, dass Earthing-Bücher regelmäßig neben esoterischen Büchern und anderer Humbug-Literatur auftauchen, was nicht wirklich die Glaubwürdigkeit erhöht.

Ist das überflüssiger Kommerz oder ist da wirklich was dran?

Kostenlose Erdungs-Möglichkeiten

Eines steht fest: Barfußlaufen in der Natur ist kostenlos und liefert auf jeden Fall natürliche Erdung. Auch Earthing-Befürworter werden nicht müde, Barfußlaufen zu empfehlen. Ein weiterer Grund, in der freien Natur Barfuss zu laufen!

Auch wenn die o. a. Studien Recht haben, bin ich noch skeptisch, ob eine regelmäßige Erdung wirklich teuer sein muss. Schließlich ist jeder Abfluss in jeder Dusche automatisch geerdet, so wie jede Wasserleitung und die meisten anderen Metalle, die Teil von Gebäuden sind, wie z. B. Treppengeländer.

Auch eine genügend hohe Luftfeuchtigkeit sollte in der Lage sein, überschüssige Ladungen abzutransportieren.

Ich für meinen Teil bleibe noch ein wenig skeptisch und werde mich bei Gelegenheit etwas tiefer einlesen. Vielleicht finde ich auch einen Weg, mein Bettlaken preisgünstig zu erden, um das mal im N=1 Experiment auszuprobieren.

Eure Meinung

Was meint Ihr dazu? Habt Ihr solche Erdungs-Produkte mal ausprobiert? Oder seid Ihr skeptisch? Empfindet Ihr die Erdungs-Diskussion als Humbug oder glaubt Ihr, da ist was dran?

Müssen geerdete Bettlaken teuer sein, oder gibt es eine günstigere Alternative, sein Bett und den Fußboden unter dem Arbeitstisch zu erden?

Bücher zum Thema


Bild: This room is equipped with Edison Electric Light von flickr-User Marcin Wichary, verwendet unter der CC BY 2.0-Lizenz.


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Von Constantin Gonzalez am 31.07.2015, aktualisiert: 01.08.2015 in Allgemein.


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Mein Name ist Constantin, Informatiker und seit 2008 beschäftige ich mich intensiv mit Ernährung, Gesundheit und aktueller Forschung dazu.

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