Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

19.02.2015, aktualisiert: 19.12.2016 | Kommentare

Endlich wieder Pasta? Interview mit PaleoWelt-Gründer Balázs Bojkó

PaleoPasta

Auf dem Symposium 2013 der Deutschen Gesellschaft für Paläo Ernährung traf ich zum ersten Mal Balázs Bojkó: Ein junger, intelligenter, bescheidener Mann, der mir davon erzählte, dass er eine spezielle Pasta entwickeln möchte, die auch für die Paleo-Ernährung tauglich ist.

Ein bisschen verrückt klingt das schon: Pasta, der Inbegriff Gluten-geladener Zivilisations-Nahrung, soll jetzt wieder gesund werden?

Wenig später kamen die ersten Probe-Packungen und nach einigen Monaten die verbesserte Variante: Auf der Webseite von PaleoWelt kann man jetzt PaleoPasta in vier Sorten bestellen und damit Nudeln gesünder genießen.

Stimmt das?

In den letzten Monaten habe ich mich immer wieder mit Balázs ausgetauscht, seine Nudeln getestet und für Euch ein Interview geführt.

Natürlich ist dieses Thema kontrovers:

  • Auf der einen Seite ist es klar, dass der Urmensch niemals Nudeln gegessen hat, egal welche Zutaten darin enthalten waren. Er hat ganz einfach nur das gegessen, was ihm die Natur geboten hat.
  • Auf der anderen Seite leben wir heute nicht mehr in der Urzeit, sondern im Jahre 2015.
  • In der Zwischenzeit haben wir verstanden, welche Lebensmittel gut für uns sind und warum, und wir wissen auch, welche Lebensmittel aus der Neuzeit zu vermeiden sind und warum.

Warum nicht mit dem neu gewonnenen Wissen auch neue Produkte herstellen, die Paleo-kompatible und daher gesündere Zutaten mit dem neuzeitlichen Lebensgefühl kombinieren, also Paleo-taugliche Pasta erfinden?

Dazu habe ich Balázs für Euch ein paar Fragen gestellt:

Das Interview

Balázs Bojkó

  • Balázs, wie bist Du zur Paleo-Ernährung gekommen? Ich wurde 2008 mit Colitis Ulcerosa diagnostiziert. Dies ist eine chronische Entzündung des Dickdarmes, eine Art Autoimmunerkrankung. Das hat mich selbst und meine Mountainbike-Hobby-Karriere total zerbrochen. Ich kämpfte mehrere Jahre lang mit der Krankheit und der dazu gehörigen Depression. In 2010 habe ich das erste Mal von Paleo gehört und dann stellte ich langsam meine komplette Ernährung um, als ich mehr und mehr über das Thema erfahren habe. Ich experimentierte sehr viel mit der Nahrung und konnte für mich endlich ein eigenes Paleo-System entwickeln. Ich achte neben den Paleo-Hauptprinzipien auf die sog. FODMAPs (kurzkettige Kohlenhydrate, die durch Darmbakterien fermentiert werden können) und habe ein paar Empfehlungen aus der GAPS-Diät übernommen. Jetzt weiß ich genau, was ich für meine gesunde Verdauung durch die Nahrung tun kann. Seitdem habe ich kaum Symptome! Es sind natürlich auch die Lifestyle-Aspekte wichtig: Ich versuche mich psychisch nicht zu überlasten, schlafe mich (fast) immer gut aus und bewege mich viel im Freien. :).
  • Welche Erfahrungen hast Du bisher mit der Paleo-Ernährung gemacht? Nicht nur die Symptome meiner Krankheit sind verschwunden, ich profitiere auf vielen Ebenen von Paleo. Ich habe Körperfett verloren, und konnte eine magere und gesunde Muskelmasse aufbauen. Das Wort Nachmittagstief kenne ich gar nicht. Ich fühle mich einfach wohl in meinem Körper! Die Krankheit zwang mich, eine Veränderung in meinem Leben vorzunehmen – ich bin echt dankbar dafür! Ich fahre wieder viel und gerne Mountainbike, mache große Skitouren und treibe im Allgemeinen sehr viel Sport! Energie ohne Ende!
  • Und wie sieht es mit Deinem Umfeld aus? Meine komplette Familie und viele Freunde haben ihre Ernährung umgestellt. Polyzystisches Ovar-Syndrom, Gelenkprobleme und Übergewicht verschwunden – kein Witz!
  • Wie bist Du auf die Idee gekommen, selber Paleo-Produkte herzustellen? Wir stellen keine Produkte selber her. Wir haben einen guten Partner in Ungarn, der die Entwicklung selber macht, wir denken aber immer mit und passen die Produkte an den deutschen und europäischen Markt an.
  • „Paleo“ und „Pasta“ sind zwei Konzepte, die unterschiedlicher nicht sein können, wie bist Du auf die Idee gekommen, beides zu verbinden? Als Sportler konnte ich nicht ganz ohne Kohlenhydrate leben und Radfahrer essen sowieso oft Pasta. Da damals die Paleo-Nudeln in Ungarn in der „Entwicklung“ standen, wollten wir mit Ideen einsteigen und das Beste herausholen. Pasta ist immer schnell fertig, mit vielen Soßen gut zu kombinieren, man soll nur noch die richtigen Zutaten auswählen! Wenn die PaleoPasta low-Carb und glutenfrei ist und viele Proteine beinhaltet, dann löst sie die größten Probleme mit der Pasta.
  • Wie sieht der Herstellungs-Prozess für PaleoPasta genau aus? Der Prozess ist ungefähr in 3 Jahren entstanden, es ist komplizierter, als die Herstellung der herkömmlichen Nudeln. Die genauen Schritte sollen geheim bleiben. Allerdings findet die Herstellung in einer kleinen Manufaktur statt, wo wirklich aus dem Herzen gearbeitet wird! Die Mitarbeiter sind auch überzeugt von Paleo!
  • Helena schmeckt die Paleo-Pasta
    Welche Sorten gibt es und wie unterscheiden sie sich? Die weißen Sesam-PaleoPasta (Spirelli/Fusilli) ähneln den herkömmlichen Nudeln am meisten, sowohl in Sachen Optik, als auch im Geschmack. Sie beinhalten nur ca. die Hälfte der Kohlenhydrate von herkömmlichen Nudeln. Die Kastanien-PaleoPasta ist unsere „edle“ Sorte, sie schmeckt fantastisch und mild. Sie hat die Form Tagliatelle (Bandnudeln). Leinsamenmehl ist die Grundzutat unserer dritten Sorte, der Leinsamen-PaleoPasta. Die Leinsamen-Spaghetti sind auch sehr lecker und enthalten sogar mehr Eiweiß als Kohlenhydrate! Das ist einzigartig unter den Nudeln! Zudem ist sie besonders reich an Ballaststoffen.
  • Woher kommen die Zutaten? Die Mehlsorten sind sorgfältig ausgewählt, es werden nur erstklassige Zutaten verwendet. (Klasse I.) Das Leinsamenmehl kommt aus Ungarn, Kastanienmehl aus Italien und bei Sesam ist es unterschiedlich. Zur Pasta-Manufaktur gehört eine Eierfarm, woher die ganz frischen Eier stammen. Sie werden immer frisch vor Ort, während der Pasta-Herstellung aufgebrochen. Es gibt keinen langen Transportweg, was sowohl für die Produktqualität, als auch für die Umwelt gut ist! Die Eier sind offiziell nicht bio, ich kann aber persönlich bestätigen, dass der Stall sehr sauber ist, die Hühner haben sehr gute Lebensbedingungen und bekommen auf keinen Fall Antibiotika – sie brauchen das gar nicht. Die Qualität der Eier ist top! Ausserdem: die Manufaktur befindet sich in Ungarn. Hier ist Paleo schon so weit verbreitet, dass viele Ärzte und Heilpraktiker sich mit dem Thema beschäftigen. viele Menschen sind recht gut informiert, es gibt viele Paleo-Anhänger und ebenso sehr viele gute Erfahrungen!
  • Was ist das erste Feedback Deiner Kunden zur PaleoPasta? Sie freuen sich sehr darauf. In der heutigen, schnellen Welt ist es nicht einfach, immer Paleo-Essen zu bekommen, hier kann die Pasta helfen. Sie ist in 15 Minuten fertig (inklusive Soße), macht satt, ist glutenfrei und lecker. Man wünscht sich ab und zu schnelle und einfache Gerichte. Die PaleoPasta macht das Leben unserer Kunden einfacher, ohne auf gesundes Essen verzichten zu müssen. Der Kundenkreis wird ständig größer und wir freuen uns sehr über die vielen positiven Rückmeldungen.
  • Inzwischen sind weitere Produkte hinzugekommen, was bietest Du in Deinem Shop noch an? Neben Kokosöl, Nussmehlsorten und Flohsamenschalen bieten wir eine Backmischung für Brot, reines Omega-3-Fischöl und eine Kombination aus Vitamin D3 und Vitamin K2 an. Letztere halte ich in der dunklen Jahreszeit für besonders wichtig: Vitamin D ist für unser Immunsystem enorm wichtig, wird aber auch für weitere körperliche Prozesse benötigt. Das Vitamin K2 trägt zu einem gesunden Kreislaufsystem bei und hilft, starke Knochen und Zähne aufzubauen. Über seine Wichtigkeit wird heutzutage leider ganz wenig gesprochen!
  • Du schreibst gerade an einem Buch, worum geht es da und wann erscheint es? In meinem Buch Einfach Paleo: So wurde ich durch die Steinzeit-Ernährung gesund* geht es darum, aus meiner eigenen Sicht das Thema Paleo vorzustellen. Ich lebe Paleo, weil es mir die Heilung meiner Krankheit brachte und ich dadurch wieder fit, leistungsfähig und ein glücklicher Mensch geworden bin! Diese persönliche Geschichte kombiniere ich mit Paleo-Wissen und meiner eigenen Erfahrung — Paleo ist in meinen Augen viel mehr als eine Ernährungsweise. Körperbewegung, sensorische Impulse und psychische Aspekte runden diese ganzheitliche Philosophie ab. Neben dem Text gibt es ein kleines Büchlein mit den Paleo-Basics und 20 leckeren (Lieblings-)Rezepten dabei! Mit diesem Extra-Heft war es mein Ziel, dass die Leser durch dessen Weitergabe Paleo ganz einfach weiterempfehlen können. Durch die Firma und das Buch ist mein Traum wahr geworden: zu der Verbreitung dieser Philosophie beizutragen! Das Buch erscheint am 08. April 2015. Ich bin sehr gespannt und freue mich schon riesig darauf!

Fazit

Wie schon woanders geschrieben, halte ich nicht viel von Paleo-Fundamentalismus und auf der anderen Seite bin ich auch nicht ein Fan davon, alles zwangsweise zu Paleo-ifizieren.

Aber als Abwechslung zwischendurch, als „Friedensangebot“ für skeptische oder gar widerspenstige Verwandtschaft oder eben als moderne und bewusste Interpretation des Paleo-Gedankens finde ich, dass PaleoPasta eine tolle Idee ist.

Probiert’s doch mal aus und sagt mir dann: Was haltet Ihr davon?

Buchtipp


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Von Constantin Gonzalez am 19.02.2015, aktualisiert: 19.12.2016 in Testberichte.


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Mein Name ist Constantin, Informatiker und seit 2008 beschäftige ich mich intensiv mit Ernährung, Gesundheit und aktueller Forschung dazu.

Mit der Paleo-Ernährung (oder: „Paleo-Diät“) bin ich heute 18 kg leichter und fitter als je zuvor. Jetzt wandle ich mich vom Couch-Potato zum Athleten. Das hätte ich als klassischer „Geek“ nie gedacht!

In Paleosophie geht es um Paleo-Ernährung, was dahinter steckt, wie sie funktioniert und um immer neue Möglichkeiten, das Beste aus Deinen Genen zu machen. Mehr…

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