Paleosophie | Tipps und Hintergründe für den zivilisierten Urmenschen | von Constantin Gonzalez

15.05.2015, aktualisiert: 19.12.2016 | Kommentare

Liste: Essenzielles Paleo-Laufzubehör

Eine Laufhose

Wir sind mittendrin in der Lauf-Saison und wenn ich Laufen gehe, treffe ich immer mehr Gleichgesinnte.

Dabei sehe ich gelegentlich Lauf-Enthusiasten, die es ernst meinen: Mit angespannter Miene arbeiten sie sich von Trainings-Kilometer zu Trainings-Kilometer, das nächste Leistungs-Ziel fest im Blick.

Nicht selten kommt dabei spezielle Lauf-Ausrüstung zum Einsatz, die langes Durchhaltevermögen, optimale Leistung und überhaupt ein besseres Ergebnis verspricht.

Also setzte ich mich hin und machte mir eine Liste von essenziellen, unentbehrlichen und „must have“ Lauf-Utensilien, die selbstverständlich Paleo-kompatibel sind. Damit der zivilisierte Urmensch seinen modernen Zeitgenossen nicht hinterher- sondern vorauslaufen kann.

Was gibt es nicht alles an professionell anmutendem Lauf-Zubehör: Funktionsunterwäsche, Trinkgürtel, Multifunktions-Armbänder, Schnellschnürsysteme, Nordic-Walking-Stöcke, und so weiter.

Eigentlich wollte ich mit dieser Liste endlich reich werden, indem ich sie mit allerlei teurem, aber essenziellem Laufzubehör fülle, um dann die Affiliate-Einnahmen sprudeln zu lassen und meine Renten-Kasse aufzufüllen.

Doch je länger ich darüber nachdachte, umso weniger wirklich essenzielle Lauf-Utensilien sind auf meiner Liste übrig geblieben.

Nach langem Überlegen, sorgfältiger Auswahl, strengen Kriterien und unter Berücksichtigung aller erdenklichen Lauf-Situationen ist sie jetzt endlich fertig geworden: Die Paleosophie Laufzubehör-Liste!

Die ultimative, offizielle Paleosophie-Laufzubehör-Liste

  1. Laufhose (kurz), bei Frauen auch ein Lauf-Oberteil.

Fertig. Das ist sie. Sonst nichts. Alles andere ist optional, aber nicht notwendig.

Gehen wir einmal jedes einzelne essenzielle Zubehör auf der Liste der Reihe nach durch, um zu verstehen, warum sie so unentbehrlich sind und in jede Laufrunde gehören:

  • Laufhose (kurz), ggf. Lauf-Oberteil: Ohne Laufhose gucken die Leute einfach komisch. Damit man nicht unnötig von der Polizei oder anderen Sittenwächtern beim Laufhobby unterbrochen wird, gehört eine Laufhose zur Standardausrüstung eines jeden Läufers. Allerdings erzählte mir neulich ein Kollege aus Berlin, dass dort offenbar auch Läufer ohne Hose gesichtet wurden. Na ja.

    Frauen dürfen natürlich aus ähnlichen Gründen auch ein Lauf-Oberteil als essenzielles Zubehör betrachten, das ist selbstverständlich. Die Hose bzw. das Oberteil sollten möglichst kurz sein, damit sie nicht unnötig viel Sonne vom Körper abhalten, ansonsten gibt es keine weiteren besonderen Kriterien für eine Laufhose bzw. ein Lauf-Oberteil. Außer natürlich, dass sie bequem sein sollten.

Enttäuscht? Überrascht? Kann es wirklich sein, dass das alles ist?

Schauen wir uns einmal an, was so alles verkauft wird und dann fragen wir uns, ob das wirklich notwendig ist, um vernünftig zu laufen, oder ob dieses Zubehör nicht eher dazu da ist, die Kassen anderer zu füllen:

Überflüssiges Lauf-Zubehör

  • Lauf-Oberteile/Shirts (für Herren): Wie oben angedeutet, ist es eher eine gute Sache, sich der Sonne auszusetzen. Zwar warnen Hautärzte vor Sonnenbrand, Hautkrebs, etc., dabei übersehen sie die zahlreichen positiven Eigenschaften von Sonnenbestrahlung, wie z. B. die Bildung von Vitamin D, der Schutz gegen Bluthochdruck und andere Kreislauf-Erkrankungen sowie viele andere positive Effekte.

    Niemand will einen Sonnenbrand oder gar Hautkrebs bekommen, also sollte man sich vorsichtig der Sonne aussetzen. Der Körper hat jedoch ein paar sehr gute, natürliche Schutzmechanismen gegen übermäßige Sonnenbestrahlung, nur muss man ihm die Zeit geben, diese rechtzeitig aufzubauen.

    Mehr dazu: Sommer, Sonne, Sonnenschutz: Vitamin D ohne Hautkrebs dank natürlicher Sommerhaut. Also ist ein Lauf-Oberteil eher überflüssig.

  • Lauf-Schuhe: Als ob der Mensch unvollständig auf die Welt gekommen wäre und nur mit Schuhen lange Strecken laufen könnte!

    Vielmehr geht aktuelle Forschung davon aus, dass der Mensch sich in der Evolution zum Langstrecken-Läufer spezialisiert hat.

    Auf Deutsch: Du bist eine Lauf-Maschine.

    Dafür hat die Natur Dir ein ausgeklügeltes biomechanisches Laufsystem in Deine Beine und Füße eingebaut, das jederzeit optimale Dämpfung, perfekte Passform, sichere Bodenhaftung, proaktive Unfallsicherheit, ein ideales Laufgefühl und viele weitere nützliche Lauf-Funktionen beinhaltet.

    Mehr dazu: Paleo für die Füße: Barfußlaufen FTW! Und auf der Webseite der Universität Harvard: Biomechanics of Foot Strikes & Applications to Running Barefoot or in Minimal Footwear.

    Also: Lerne Barfuß-Laufen, sei am Anfang jedoch vorsichtig, da die meisten Menschen das dank der Schuh-Industrie verlernt haben.

  • Spezielle Lauf-Socken: Erübrigt sich zusammen mit Laufschuhen.

  • Trinkrucksäcke/Flaschengürtel oder andere Getränkebehälter: Im wahrsten Sinne des Wortes überflüssig. Vor dem Lauf und nach dem Lauf kann man sowieso Wasser trinken, und bei vernünftigen Strecken (alles, was kein Marathon ist, wobei Marathons für die wenigsten Menschen wirklich gesund sind) sollte kein Existenz-bedrohlicher Durst aufkommen.

    Marathon- und Ultra-Läufer sind vielleicht eine Klasse für sich, doch der Urmensch ist auch sehr lange Strecken gelaufen und hat dabei einfach Wasser aus Bächen oder Regenpfützen getrunken (Siehe auch den Artikel von Dr. Ulrich Strunz: Schmerzfrei trotz Bandscheibenvorfall und die Regenpfützen-Diskussion dazu). Auf modernen Laufveranstaltungen sind Regenpfützen durch seitlich gereichte Wasserflaschen ersetzt worden.

  • Energie-Riegel, -Gels, oder sonstiges Futter: Nicht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv.

    Ein 70 kg schwerer Mensch speichert ca. 500 Gramm Glykogen (das ist die menschliche Speicherform von Kohlenhydraten) [1]. Das entspricht etwa 2000 kcal, was (je nach Kalkulationsmethode) etwa 25-30 km Reichweite entspricht.

    Doch Kohlenhydrate sind nicht die einzige Energiequelle, denn der Langstreckenläufer tut besser daran, Fett statt Kohlenhydrate zu verbrennen: Unser 70 kg Athlet hat, wenn er gut trainiert ist, ca. 10% Körperfett, also 7 kg. Selbst wenn wir nur die Hälfte davon betrachten, sind das 31.500 kcal. Das reicht für 10 Marathons.

    Der Körper ist darauf optimiert, Glykogen zu verbrennen, wenn er schnell größere Energiemengen freisetzen muss (Sprints) und Fett, wenn er länger anhaltende Leistung abrufen will. Die Leistungs-Schwelle, ab der ein Übergang von Fett- zur Glykogen-Verbrennung stattfindet lässt sich trainieren, wie Dr. Peter Attia in seinem Vortrag An Advantaged Metabolic State: Human Performance, Resilience & Health eindrucksvoll demonstriert.

    Also lautet die Devise: Fett statt Kohlenhydrate verbrennen, bzw. Fett für die Langstrecke und die Glykogen-Speicher für den Sprint zwischendurch oder zum Schluss aufsparen.

    Wie geht das? Indem man seine metabolische Flexibilität trainiert. Kurz gesagt: Wenig Kohlenhydrate essen, dafür mehr Fett und viel lange Strecken laufen. Das fördert die Bildung von Mitochondrien und der Körper lernt von alleine, mehr Fett statt Glykogen zu verbrennen.

    Warum keine Energie-Riegel oder -Gels? Ganz einfach: Der schnellste und einfachste Weg, seine Fettverbrennung abzuschalten ist, das Hormon Insulin auszuschütten. Und das wird genau dann ausgeschüttet, wenn man Kohlenhydrate isst. Genau das ist in Energie-Riegeln und -Gels massig vorhanden: Sabotage für die Fettverbrennung.

    Wer nur auf Energieriegel und -gels für die Bewältigung von langen Strecken zurückgreift (und dafür gibt es die ausgeklügeltsten Strategien), verbaut sich eine 10-mal ergiebigere, effiziente Energiequelle.

  • Nordic-Walking-Stöcke: Don’t get me started … Was macht ein Ski-Stock-Verkäufer im Sommer? Er verkauft die Dinger als Nordic-Walking-Stöcke und verdoppelt seinen Umsatz. Wenn die Natur gewollt hätte, dass wir unsere Arme zum Laufen benutzen sollen, hätte sie uns nicht den aufrechten Gang geschenkt.

  • MP3-Player/Handy: Ich liebe Musik. Aber nicht beim Laufen. Da will ich entspannen, die Natur genießen und den Kopf frei machen. Aber wer will …

Damit wären wir bei einer Grauzone angekommen: Es gibt nämlich auch Lauf-Zubehör, das optional ist und ggf. doch noch nützlich sein kann.

Optionales Lauf-Zubehör

  • Schlüssel: Für Singles und die, die nicht immer die lieben Daheimgebliebenen rausklingeln wollen.

  • Handy: Es ist natürlich toll, wenn man seine Laufstrecke protokollieren kann. Dafür gibt es verschiedene Handy-Applikationen wie Runkeeper oder Runtastic. Die zeichnen nicht nur die Strecke auf, sondern liefern Statistiken und erlauben den sozialen Lauf-Vergleich mit Freunden über das Internet. Wer will, kann mir auf Runkeeper folgen.

  • Pulsuhr oder -Messer: Ähnlich interessant ist es, seinen Puls beim Laufen zu protokollieren. Das hat der Urmensch genauso wenig getan, wie seine Strecken im Handy zu protokollieren, aber der Geek in mir freut sich, wenn er nach dem Lauf die Puls-Statistiken studieren kann. Bei der Quantified Self-Bewegung zeichnen Enthusiasten alle möglichen Daten über sich selbst auf, um mehr über sich zu lernen. Ich-Forscher.

    Seit Januar habe ich ein Fitbit Charge HR*-Armband, das rund um die Uhr meinen Puls, meine Schritte, Stockwerke, verbrannte Kalorien und meine Schlaf-Qualität aufzeichnet und daraus spannende Statistiken macht. Nicht essenziell, aber interessant.

  • Barfuß-Lauf-Schuhe: Eigentlich ein Oxymoron: Schuhe für das Barfußlaufen? Nicht unbedingt nötig, aber für den Einstieg in das Barfuß-Laufen eine sinnvolle Erleichterung.

    Für Barfuß-Einsteiger empfehle ich die Vibram FiveFingers*, ich habe selber noch ein Paar (Modell KSO), die ich immer dann anziehe, wenn ich die Strecke nicht kenne (und es dort Gefahren geben könnte) oder wenn der Untergrund auf längeren Strecken echt fies ist (grobe Kiesel oder grober Schotter).

    Neulich bin ich mit Rolf, dem Wattrechner eine Runde um den Spitzingsee gelaufen. Das war wegen der vielen Kies-Strecken eher grenzwertig, aber es hat dennoch 100 % barfuß geklappt. Danke an Rolf für seine Geduld! Die zweite Runde am nächsten Morgen habe ich dann doch lieber mit meinen FiveFingers absolviert, um die anderen nicht unnötig aufzuhalten und auf ein vernünftiges Tempo zu kommen.

    Ein wenig Übung brauche ich noch.

Das war’s

Was ist denn für Dich das essenzielle Lauf-Zubehör? Was ist für Dich optional aber sinnvoll? Und welches typische Lauf-Zubehör ist für Dich überflüssig und regt Dich beim Lauf zum Kopfschütteln an?

[1]
Acheson KJ, Schutz Y, Bessard T, Anantharaman K, Flatt JP, Jéquier E: Glycogen storage capacity and de novo lipogenesis during massive carbohydrate overfeeding in man., 1988
[2]
Christopher McDougall: Born to Run: The Hidden Tribe, the Ultra-Runners, and the Greatest Race the World Has Ever Seen, 2010*
[3]
Christopher McDougall: Born to Run: Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt, 2010*



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Von Constantin Gonzalez am 15.05.2015, aktualisiert: 19.12.2016 in Laufen.


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